• 29.06.2006

daniel cohn-bendit

Verneigung vor Zidane

Niemand weiß letztendlich, woher ein Mensch seine Energie hernimmt. Was Zinedine Zidane betrifft, so schöpft er seine Kraft aus dem Bewusstsein, dass sein Abschied ein großer Abschied wird. Und dass er gezwungen ist, seine Leistung als Fußballer bei dieser WM noch einmal für alle sichtbar zu machen.

Er tat es mit seinem Tor. Aber es war generell großartig, wie er beim 3:1 gegen Spanien nicht nur geniale Pässe spielte. Sondern auch 90 Minuten als Teil von Frankreichs Pressingstrategie durchhielt, die den Spaniern so lange zusetzte, bis sie mürbe wurden. Zidane, 34, beweist, dass es keine Definition gibt, ob jemand fit ist, ob er zu jung oder zu alt ist. Es gibt Parameter, aber es gibt auch die Möglichkeit, alles zu überwinden. Mit dem Kopf. Er ist jetzt auf einer Laufbahn, deren Ende grandios sein soll und wird. Das macht das Viertelfinale gegen Brasilien so spannend. Seltsam, aber heute Nacht dachte ich zum ersten Mal, es sei nicht außerhalb dieser Welt, dass es zum WM-Endspiel Frankreich-Deutschland kommen könnte.

DANIEL COHN-BENDIT ist Chef der Grünen im EU-Parlament.

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