Der ehemalige Friedhof Norderreihe wurde während der letzten Jahre des 2. Weltkrieges stark zerstört, zwischen den Grabreihen wurden Kartoffeln angepflanzt und die meisten Alleebäume als Feuerholz gefällt. 1977 wurde er zur öffentlichen Grünfläche umgewidmet und ein Jahr später als "Wohlers Park" eröffnet. Heute ist der kleine Park auch als "Tai-Chi-Park" oder "Meditationspark" bekannt, wird fleißig zum Joggen genutzt und gilt mit seinen kleinen Wiesen, den verwitterten Grabsteinen und alten Bäumen nicht zu Unrecht als der romantischste Park Hamburgs.
Ein idealer Ort für Theater, dachte sich vor einigen Jahren die Schauspielerin und Regisseurin Saskia Junggebluth. Deren Theatergruppe wollte Shakespeares "Sommernachtstraum" im Freien spielen. Fast auf den Tag 170 Jahre nach der Eröffnung des Friedhofes tanzten die Shakespeare'schen Liebespaare zum ersten Mal durch die verwunschene Kulisse. Jeden Abend versammelten sich hundert zufällige Zuschauer, um dem Treiben beizuwohnen - und waren begeistert. Das Theater im Park sprach sich herum. Als die "Elfen im Park" im nächsten Jahr Büchners "Leonce und Lena" zum Besten gaben, kamen schon viermal so viele, und einige sahen das Stück nicht nur einmal. Im letzten Sommer schließlich feierten die Elfen mit einer kostümgewaltigen Theaterfassung von Jules Vernes "In 80 Tagen um die Welt" ihr fünfjähriges Bestehen.
Im Mozart-Jahr 2006 widmet sich das Theater im Park den Geschehnissen am Schloss des Grafen Almaviva in Sevilla um 1780. Unter der Regie von Gabriele Erler wird "Der tolle Tag oder Figaros Hochzeit" gegeben, frei nach der Komödie von Beaumarchais - selbstverständlich mit Musik von Wolfgang Amadeus Mozart.
Figaro, der Kammerdiener des Grafen, möchte die Kammerdienerin Susanne heiraten. Doch auch der Graf stellt ihr nach und gedenkt sogar, das alte Feudalrecht der ersten Nacht wieder einzuführen. Figaro bleibt nur die List, um seinen Herrn von seinem Plan abzubringen. Es entspinnt sich ein verworrenes Netz aus Intrigen und kein falscher Brief bleibt ohne Folgen…
Anders als in den vorangegangenen Jahren - in denen das Publikum den Schauspielern durch die Rabatten folgte und dabei zahlreiche Büsche abknickte, konzentrieren sich die Szenen auf den Platz in der Mitte des Parkes. Warum also nicht den Picknickkorb einpacken und die Oper als Volksfest feiern - so wie es sich Mozart sicher gewünscht hätte. Deshalb ist auch der Eintritt frei und unbegrenzt. Die Elfen freuen sich trotzdem, wen etwas mehr als Applaus gespendet wird.
ROBERT MATTHIES
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