Jeden Tag, den der Krieg im Libanon fortdauert, offenbart sich ein Dilemma deutscher Medien. In der "Tagesschau" wird zum Beispiel, geradezu mustergültig, jeden Abend zuerst nach Israel und dann in den Libanon geschaltet (oder umgekehrt), um die neuesten Entwicklungen abzubilden. Und es wird auch nie vergessen zu erwähnen, was ursprünglich zu der gegenwärtigen Eskalation geführt hat: die Entführung zweier Soldaten durch die Hisbollah im Libanon.
So mühen sich in diesem Krieg die meisten deutschen Medien um Ausgewogenheit. Trotzdem hagelt es auch jetzt wieder Kritik von allen Seiten, von Israelkritikern und -freunden, weil man es eben nie allen recht machen kann. Doch auch der Versuch, beispielhafte Ausgewogenheit zu demonstrieren, wirkt oft etwas bizarr: dann nämlich, wenn die Korrespondenten in Israel nur zu berichten haben, dass sich die Bevölkerung in Bunker zurückziehe und Angst habe - während die Lage im Libanon fast stündlich dramatischer und chaotischer wird. Das Ungleichgewicht des Schreckens zwischen der Militärmacht einer hochgerüsteten High-Tech-Armee, die dabei ist, ein ganzes Land zusammenzubomben, und einer Guerilla-Armee, die mit ihrem Raketen eher ziellos in der Gegend umherzuschießen scheint, ist offensichtlich. Dieses Ungleichgewicht spiegelt sich auch in der Zahl der Opfer. In Israel starben bisher 35, im Libanon schon 340 Menschen - und Hunderttausende sind dort auf der Flucht.
Wenn jetzt, wie angekündigt, Israel im Südlibanon die Bodenoffensive beginnt, dann wird die Zahl der Opfer im Libanon noch weiter nach oben schnellen. In einem solch asymmetrischen Konflikt gerät eine auf taktvolle Balance bedachte Berichterstattung schnell an ihre Grenzen - ja, sie kann sogar tendenziös wirken, wenn der Eindruck entsteht, ein israelisches Opfer sei so viel Aufmerksamkeit wert wie zehn Libanesen.
Der Tenor mancher Springer-Blätter oder der Zeit, die Israel als das eigentliche Opfer dieses Kriegs inszenieren, tut ein Übriges, um dieses Bild zu verfinstern. Das aber wirft, nicht nur in den Augen der Betroffenen, ein trübes Licht auf die ethischen Maßstäbe des Westens.
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