BERLIN taz
In Zeiten des Krieges im Libanon sollte man als Jüdin in Deutschland besser keine jüdischen Gottesdienstlieder singen. Und israelische Jazzbands sollten lieber auch nicht auftreten. Zu dem Schluss kann man jedenfalls kommen, wenn man eine Affäre im rheinland-pfälzischen Trier betrachtet.
Der Hintergrund: Der Zentralrat der Juden in Deutschland hilft seit einiger Zeit seinen mehr als 80 jüdischen Gemeinden, Kulturabende anzubieten. Dabei zahlt der Zentralrat die Honorare der Künstler, die Gemeinden bekommen das Eintrittsgeld. Da die Trierer Gemeinde keinen passenden Raum hat, wollte sie für zwei Abende kooperieren: mit dem örtlichen Kultur- und Kommunikationszentrum Tuchfabrik (Tufa), das städtische Subventionen erhält. Fest eingeplant war für den 14. September ein Abend mit der Kantorin der jüdischen Gemeinde von Berlin, Avitall Gerstetter. Angekündigt waren synagogale Gesänge und jiddische Lieder. Später sollte die israelischen Jazzband Efrat Alony auftreten.
Am 21. Juli aber bekam Daniel Botmann von der jüdischen Gemeinde Trier eine E-Mail von Gisela Sauer, der von der Stadt Trier bezahlten Tufa-Geschäftsführerin. Sauer schrieb: "Die Tuchfabrik Trier e.V. ist laut Satzung politisch und weltanschaulich neutral. Die momentanen Kämpfe in Israel und dem Libanon sprechen eine andere Sprache. Wir möchten Sie bitten, dass Sie das Konzert mit Avitall absagen - diese synagogalen Gesänge passen nicht zu der politischen Lage -, und wir werden auch von der Raumzusage für das Konzert mit Efrat Alony zurücktreten."
Nach Protesten Botmanns lenkte Sauer ein. Am 26. Juli schrieb sie ihm wieder per E-Mail: "Ich möchte Sie darüber informieren, dass es bei beiden Konzerten bleibt." Zusatz: "Ich habe lediglich bei Avitall Gerstetter den Titel in jiddische Lieder umgewandelt. Wenn sie im Programm liturgische Gesänge präsentiert, ist das in Ordnung."
Avitall Gerstetter zeigte sich "persönlich verletzt". Hier werde, unabhängig von ihrer eigenen Einstellung, das antisemitische Klischee bedient, dass Juden weltweit irgendwie für Israels Politik verantwortlich seien. Nun versucht sie, ihr Konzert im Trierer Dom stattfinden zu lassen.
PHILIPP GESSLER
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