VON WALTRAUD SCHWAB
Mit einem groß angelegten Ernteeinsatz hat die Polizei am Samstag die Hanfparade neu aufgewertet. Am Brandenburger Tor schnitt sie Hanfpflanzen aus mehr als 400 dort aufgestellten Töpfen. Das Grünzeug wurde anschließend sichergestellt und zu einer Laboranalyse gebracht. Zuvor waren rund 1.500 Teilnehmer der 10. Hanfparade vom Alexanderplatz zum Brandenburger Tor gezogen. Sie demonstrierten für die Legalisierung des drogenfähigen Krauts.
Um die Parade zu finanzieren hatten die Veranstalter im Vorfeld Paten gesucht für die aufgestellten Pflänzchen. Gehofft wurde, dass sie etwas mehr geben, als für die Pflege notwendig. Als Spendenmarketing ist das gut gedacht. Denn direkt verkaufen hätten sie die Pflanzen nicht können. Das ist verboten.
Es sei mit der Polizei abgesprochen gewesen, dass Nutzhanf aufgestellt wird, sagte Steffen Geyer, Anmelder der Hanfparade. Nutzhanf enthält kaum den Cannabis-Wirkstoff THC und taugt nicht als Droge. Er wird legal angebaut und beispielsweise als Kleintierstreu oder Rohmaterial für Baustoffe verwendet. Dennoch habe das Landeskriminalamt Strafanzeige gestellt und die Pflanzen abschneiden lassen, kritisiert Geyer.
Nach Darstellung eines Polizeisprechers ist nur vereinbart gewesen, dass "einige wenige" Nutzhanfpflanzen aufgestellt werden dürfen. Für diese hätte der Veranstalter den Nachweis mitzuführen, dass es sich nicht um drogenfähiges Cannabis handelt. Die Nachweise seien aber teils in polnischer Sprache gewesen. Es habe nicht einwandfrei festgestellt werden können, ob der Hanf den Wirkstoff THC enthielt oder nicht, begründete die Polizei vor Ort ihren Einsatz.
Für den Verein Bündnis Hanfparade e. V., der das Event zum zehnten Mal ausrichtete, war es zuletzt immer schwieriger geworden, die Parade zu organisieren. Zum einen kamen zusehends weniger Leute. 1998, auf dem Höhepunkt der Sympathiewelle, waren es 50.000. Zum anderen darf man in Berlin seit letztem Jahr bis zu 15 Gramm Cannabis für den Eigenverbrauch in der Tasche haben, ohne kriminalisiert zu werden.
Selbst die Forderungen der Hanf-Fans wirken neuerdings versöhnlicher. Analog zu anderen Drogen könnte Hanf besteuert werden, meinen sie. Bei zwei Euro pro Gramm könnte die öffentliche Hand bis zu 1,2 Milliarden Euro einnehmen. Entsprechend lautete das diesjährige Parade-Motto: "Legalisieren jetzt! Umdenken statt Milliarden verschenken!" Nun sind die Fronten wieder verhärtet. Eine unnachgiebige Haltung Cannabis gegenüber stößt auf breites Unverständnis in der Öffentlichkeit. Der Polizeieinsatz könnte daher zu einem Wiederaufleben der öffentlichen Sympathie für das Anliegen der Demonstrierenden sorgen.
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