Hisbollah-Chef Hassan Nasrallah hat allen Grund, sich bei Israels Ministerpräsident Ehud Olmert persönlich zu bedanken. Denn wer solche Feinde hat, braucht keine Freunde mehr.
Am Mittwoch noch wollte Israel eine Großoffensive ungeahnten Ausmaßes starten, die Hisbollah vernichtend schlagen und weit hinter den Fluss Litani zurückdrängen. Am Donnerstag bereits soll alles verschoben werden. Offiziell, weil man der Diplomatie eine Chance gegen will. Doch inzwischen ist genau das eingetreten, was Olmert befürchtet hat: hohe Verluste. Allein am Mittwoch sind 15 Soldaten bei den Kämpfen umgekommen. So viele wie an keinem anderen Tag des Krieges.
Die Hisbollah hat sich schon immer über die westliche Welt im Allgemeinen und Israel im Besonderen lustig gemacht. Deren große Schwäche sei, dass sie keine Opfer ertragen könnten.
Israel müsste wissen, dass es gegen eine solche Guerilla-Armee nicht siegen kann. Olmert hat das längst auch selbst gesagt. Trotzdem nehmen Militärs und Kabinettsminister noch immer den Mund zu voll.
Aus 18 Jahren Besetzung im Libanon hätte Israel eigentlich Lehren ziehen müssen. Die Armee zog im Jahr 2000 aus dem Südlibanon ab, weil klar war, dass man die Hisbollah nicht in den Griff bekommen würde. Wie kann das in so kurzer Zeit in Vergessenheit geraten sein?
Nur noch ein diplomatischer Erfolg in New York kann die israelische Armee vor einer Blamage und die Regierung vor einer Krise retten. Israel würde auf der Basis einer UNO-Resolution das Feld räumen und könnte auf diese Weise wahrscheinlich darüber hinwegtäuschen, dass es ohnehin nicht in der Lage war, einen Sieg zu erringen. Aber Experten warnen bereits vor einem anderen Horror-Szenario. Die Hisbollah wird von Israel ablassen und sich auf die neue Besatzungsmacht konzentrieren: die internationale Schutztruppe.
Falls die überhaupt zustande kommt. Denn mit jedem Tag, der für die israelische Armee schlecht läuft, werden auch in den potenziellen Entsendeländern der Schutztruppe Zweifel wachsen. Wenn selbst Israel, das über die stärkste Armee im Nahen Osten verfügt, nicht mit der Hisbollah klarkommt - wie dann die Europäer?
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