Sie kann kein Blut sehen. Das war schon immer so. Trotzdem wagt sich Hedi in die Performance "Aventures in Menstruating" auf dem Ladyfest. Da nehmen die amerikanische Schriftstellerin Chella Quint und die Performance-Poetin Sarah Thomasin das Grausen vor dem weiblichen Zyklus auf die Schippe.
Hedi setzt sich in die letzte Reihe. Sie ist ein gebranntes Kind. Bei ihrem letzten Theaterbesuch hat eine Schauspielerin übers Ritzen monologisiert, und sie kippte um. Aus weiter Ferne hörte sie aufgebrachte Stimmen: "Eine Frau ist ohnmächtig geworden!" Hedi wachte auf, ihr Kopf lag im Schoß der Sitznachbarin, die Schauspielerin stand verärgert im Rampenlicht. Nichts dergleichen passiert beim Ladyfest. In Sketchen, Texten und Gedichten werden persönliche Menstruationsgeschichten erzählt und Fünfzigerjahre-Werbespots für "weibliche Hygiene-Produkte" nachgespielt. Die rieten den Frauen, ihr unkontrollierbares Tropfen zu kaschieren, weil Menstruation doch so blamabel und stinkig sei. Das Erbe solch boshafter Verschwörungstheorien ist heute noch in Produkten wie "Always" und "Freshelle" verpackt - Binden als chemisch parfümierte Erfrischungstücher.
Quint und Thomasin entlarven, wie die Scham zum Produkt gemacht wird und letztendlich dem Profit der Verpackungsindustrie dient. In Wahrheit aber funktionieren Frauen wie moderne Backöfen: selbstreinigend. Aber auch wenn Blut längst im Mainstream angekommen ist - Menstruationsblut ist es nicht. "Oder habt ihr im Kino schon mal menstruierende Zombies gesehen?", fragt Chella. Hedi lacht sich kaputt. Sie mag zwar immer noch kein Blut. Aber bei ihrem eigenen versucht sie ab jetzt, eine Ausnahme zu machen.
ARIANE VON GRAFFENRIED
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