BERLIN dpa
Begleitet von wütenden Protesten sind rund 700 Neonazis zwei Tage nach dem Todestag des Hitler-Stellvertreters Rudolf Heß am Samstag durch mehrere deutsche Städte marschiert. Rund 5.000 Menschen protestierten mit Demos und kulturellen Veranstaltungen in Jena, Berlin, München, Wunsiedel, Fulda und andernorts gegen Rechtsextremismus. Politiker zeigten sich erleichtert, dass es wegen des Bürgerengagements keine Neonazi-Gedenkmärsche im fränkischen Wunsiedel mehr gebe, wo Heß begraben liegt. Behörden und Gerichten bis hin zum Bundesverfassungsgericht hatten einen Marsch Rechtsextremer dort verboten.
In Berlin marschierten 230 Rechtsextreme vier Stunden lang durch die Stadtteile Mitte und Prenzlauer Berg. Sie zeigten schwarze Fahnen und Transparente, etwa mit der Aufschrift "Nationaler Sozialismus oder Untergang". Rund 1.000 Menschen protestierten auf Kundgebungen und Aktionen gegen rechts. Insgesamt 17 Neonazis und linke Aktivisten wurden vorübergehend festgenommen.
In einer laut Polizei "ziemlich aggressiven Stimmung" trafen in München rund 120 NPD-Anhänger auf 450 Gegendemonstranten. 1.000 Beamte schirmten beide Lager voneinander ab und nahmen 30 Personen auf beiden Seiten vorübergehend fest wegen Delikten wie Körperverletzung und Tragens verfassungsfeindlicher Symbole.
In Jena machten rund 1.800 Menschen ihrem Unmut gegen Neonazi-Umtriebe in einer von Kirchen und Politikern getragenen Kundgebung Luft. Mit Pfiffen begleiteten die Jenaer rund 350 NPD-Demonstranten.
Trotz einer gerichtlichen Erlaubnis sagten die rechtsextremen "Freien Nationalisten" einen Aufmarsch in Fulda in letzter Minute ab. Dennoch fanden sich vereinzelt Rechtsradikale in der Stadt ein. Mehr als 1.000 Menschen kamen zu Veranstaltungen gegen die geplante Neonazidemo zusammen.
Bayerns SPD-Chef Ludwig Stiegler forderte bei einem "Tag der Demokratie" vor rund 600 Teilnehmern in Wunsiedel alle Bürger auf, "die Unkultur der Rechten zu bekämpfen". Stiegler forderte ein generelles Verbot für Neonazi-Aufmärsche zum Heß-Todestag.
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