• 28.08.2006

Kalkulierte Provokation

Iran nimmt Anlage zur Herstellung von schwerem Wasser in Betrieb. Bei Einsatz in Nuklearreaktor fällt Plutonium an

TEHERAN dpa/rtr Der Iran hat fünf Tage vor Ablauf eines UN- Ultimatums einen weiteren Schritt zum Ausbau seines umstrittenen Atomprogramms unternommen. Präsident Mahmud Ahmadinedschad weihte am Samstag in Arak eine Anlage zur Herstellung von sogenanntem schwerem Wasser ein. Schweres Wasser wird in Schwerwasserreaktoren eingesetzt, um die bei der Kernspaltung entstehenden schnellen Neutronen abzubremsen und so eine Kettenreaktion zu ermöglichen. Bei dieser Art von Reaktoren, die kein angereichertes Uran benötigen, fällt Plutonium als Abfallprodukt an, das zum Bau von Atomwaffen verwendet werden kann. Nach offiziellen iranischen Angaben dient die Anlage vor allem medizinischen Zwecken.

Ahmadinedschad unterstrich am Samstag noch einmal den friedlichen Charakter des iranischen Atomprogramms. Es sei gegen kein Land, "auch nicht gegen das zionistische Regime" in Israel gerichtet. Außenamtssprecher Hamid-Resa Assefi betonte am Sonntag: "Teheran wird grundsätzlich nie einen Krieg gegen irgendein Land beginnen, und Atomwaffen haben in unserer militärischen Doktrin keinen Platz."

Der Iran werde sein Atomprogramm trotz eines Ultimatums des Weltsicherheitsrates fortsetzen, bekräftigte Ahmadinedschad. Dieses Ultimatum verlangt die Aussetzung der Urananreicherung spätestens am 31. August. UN-Generalsekretär Kofi Annan wird zwei Tage später in Teheran erwartet. Der Westen hatte dem Iran die Lieferung von Leichtwasserreaktoren angeboten, bei deren Betrieb Plutonium nur schwer zu gewinnen ist.

In Arak, 230 Kilometer südwestlich der Hauptstadt Teheran, existiert nach Angaben der Internationalen Atomenergieorganisation (IAEO) bereits ein kleiner Schwerwasserforschungsreaktor, der am 22. April dieses Jahres inspiziert worden sei. Die IAEO stellte dabei Arbeiten zum Ausbau der Reaktoranlage fest. Dort soll ein großer Schwerwasserreaktor gebaut werden.

Inmitten des Atomkonflikts hat der Iran nach Angaben des staatlichen Fernsehens am Sonntag eine Langstreckenrakete getestet. Die Rakete sei im Golf von einem U-Boot abgefeuert worden und habe das anvisierte Ziel getroffen. Der Abschuss ist Teil eines Manövers, das am 19. August begann. Die Rakete trage den Namen "Sagheb", was so viel heißt wie "Piercing". Angaben über die Reichweite der Rakete und die Frage, ob sie mit atomaren Sprengköpfen bestückt werden könnte, gab es nicht.

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