Schon früh bedeutete Malen für sie analytischer Eigensinn und methodisches Vorgehen. Daher hinterlässt Susanne Paesler, die am Samstag nach langer Krankheit starb, im Alter von nur 43 Jahren ein gültiges Werk. Ausdruck der selbstbewussten Entscheidung, die Geschichte des Tafelbilds fortzuschreiben. Als weiterhin lohnendes Projekt, gerade weil alles schon gemalt und zitiert ist, aufgeteilt zwischen Kunstgeschichte und Kulturindustrie. Nirgendwo verbietet sich Naivität mehr als in der Malerei. Paeslers künstlerischem Temperament, das intellektuell, mithin auch ironisch war, kam das zupass. So unterminierte sie die Autorität einer gegenstandlosen Komposition durch die streng mimetische Gegenständlichkeit seiner Gitterstruktur. Ausgerechnet den Sitzbezug eines Opel Manta bildete das strenge Karo ab. Tatsächlich entwickelte Paesler ihre Metabewegungen zur Malerei auf Grundlage der exemplarisch modernen Figur des abstrakten geometrischen Rasters. Aus ihm entwickelten sich erste freie, kaligrafische Gesten, perfekt im Bildraum platziert. Die Schrift verformte sich dann ins Botanische, in die zarte Explosion delikater Farbblüten. Erneut zur modularen Struktur mutiert, besaß deren jedem Industriestandard genügende, makellos matte oder glänzende Oberfläche dennoch hohe sinnliche Strahlkraft. In allen Begegnungen mit ihren Arbeiten kam spontan das Gefühl des Begehrens auf. Ein Begehren, das Susannes Paesler selbst betraf. Auf einer Kunstreise Mitte der Neunzigerjahre saß ich neben ihr im Bus. Ich weiß, ich beneidete sie um das rasante Leben, das ich der klugen Künstlerin und höchst attraktiven jungen Frau vorbestimmt wähnte. Kurz darauf war sie mit der Diagnose Krebs konfrontiert. Das Leben ist ekelhaft ungerecht.
BRIGITTE WERNEBURG
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