• 13.09.2006

migrantenförderung

Her mit der Quote!

Noch kommt die Forderung nach einer Migrantenquote, etwa im öffentlichen Dienst, nur von den Migranten selbst. Die deutschen Politiker sind bei diesem Thema sehr verhalten. Noch immer löst das Wort Quote vor allem bei konservativen oder liberalen Politikern Panik vor zu viel Reglementierung aus. Dabei wird auch in der Landesregierung die Unterrepräsentierung von Migranten bei der Polizei und in den Amtsstuben als Problem angesehen. Das zeigt auch der Antrag, den die NRW-Landtagsfraktionen der CDU und FDP morgen in das Parlament einbringen werden - unter den Menschen mit Migrationshintergrund soll massiv für den Polizeidienst geworben werden. Doch das wird nicht reichen. Ohne eine Quote wird es sich noch jahrzehntelang hinziehen, bis es mehr als ein paar Alibi-Migranten in öffentliche Ämter gelangen. Die Frauenquote zeigt: Eine solche Vorgabe kann die Gleichberechtigung beschleunigen.

KOMMENTAR VON
NATALIE WIESMANN

Bisher stammt nur ein Polizist von hundert aus einer Einwandererfamilie. Die Bewerber mit Migrationshintergrund werden oft wegen niedrigerer Schulabschlüsse oder Sprachtests bei den Auswahlverfahren ausgesiebt. Eine Quote könnte die Polizei dazu zwingen, ihre Auswahlkriterien zu überdenken. Auch jugendliche Migranten könnten sich animiert fühlen, sich entsprechend beruflich zu qualifizieren. Die Bevölkerung mit Migrationshintergrund, die sich laut einer Studie des Essener Zentrums für Türkeistudien von deutschen Polizisten diskriminiert fühlt, würde Landsleute in Uniform sicherlich begrüßen.

Eine Quotierung bringt allerdings auch ein Definitionsproblem mit sich: Bis zu welcher Einwanderergeneration ist ein Bürger ein Migrant? Zählen Kinder aus binationalen Familien zu den Menschen mit Migrationshintergrund? Doch diese Abgrenzungsprobleme sollten kein Hindernis sein, eine Quote einzuführen.

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