Dass sich jetzt auch die Schülerinnen und Schüler im Streit um Bildung, um Unterrichtsausfall, um die teilweise schwer aushaltbaren Zustände an Berliner Schulen zu Wort melden, ist klasse. Denn bisher waren es vor allem Politiker, Lehrer, deren Funktionäre und Eltern, die den Niedergang der Bildung diskutierten - und sich wechselseitig die Schuld dafür zuschoben. Die eigentlich Leidtragenden dagegen blieben überwiegend still.
KOMMENTAR
VON ALKE WIERTH
Jedenfalls bis gestern. Da gab's eine Überraschung: 500 Teilnehmer hatten die Anmelder der Schülerdemonstration gegen Bildungsnot erwartet. Gekommen waren 6.000.
Es ist deshalb unfair, wenn Schulsenator Klaus Böger (SPD) die Demo als "Wahlkampf" bezeichnet. Kaum eine Jugendorganisation einer Partei hätte so viele Jugendliche allein aus ihrer Anhängerschaft mobilisieren können - siehe die Erwartungen der Anmelder. Da hat sich gestern angesichts des drängenden Themas wohl offenbar doch ein breiteres Bündnis von Schülerprotestlern zusammengefunden.
Dass sich dieses Bündnis auch in den Kommentaren der Schulpolitiker aller Parteien wiederfindet, ist ein bisschen peinlich. Leugnen, dass an der personellen und sonstigen Situation der Berliner Schulen einiges zu verbessern wäre, mag nicht mal der Bildungssenator selbst.
Auch die schulpolitische Sprecherin seiner Fraktion kann das nicht. In dieser Zwickmühle die Demo als lobenswerte "Wahrnehmung ihrer politischen Rechte" durch die Schülerinnen und Schüler zu werten, die ja durch SPD-Politik zu solcher demokratischen Teilhabe erst motiviert worden seien, klingt herablassend - vor allem aber hilflos. Den Schülern kann da nur geraten werden, den Druck noch ein bisschen zu erhöhen.
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