Einmal Lachs und Kaviar für umsonst, und die WASG macht es möglich. Das lässt sich kaum einer entgehen, schon gar nicht, wer wenig Geld hat. Gestern zur Mittagszeit lud die WASG deshalb ALG-II-EmpfängerInnen vor das "Borchardt" ein. Sie sollten zahlreich dort speisen, wo "die Schere zwischen Arm und Reich erlebbar wird". Die Zeche wolle man von Finanzsekretär Thilo Sarrazin (SPD) "eintreiben", weil er sozial Schwache verhöhnt habe, so WASG-Frontfrau Lucy Redler.
Viele folgten der Einladung - die meisten gut gekleidet und mit Hightechausrüstung, Aufnahmegeräten und Kameras. Zu den rund 40 JournalistInnen kamen etwa 30 WASG-Mitglieder und 20 Hartz-IV-EmpfängerInnen.
Weil das "Borchardt" eine einstweilige Verfügung gegen eine direkte Einladung ins Restaurant erwirkt hatte, sollten die Hartz-IV-EmpfängerInnen drinnen ihre Zeche selbst vorstrecken und dann von der WASG ersetzen lassen. "Zwanzig Euro könnte ich vorstrecken, aber dafür kriege ich da drin wohl nur eine Brühe", sagt ALG-II-Empfänger Klaus Elgert. Die WASG müsste dies wissen, auf ihrem Flyer steht, die Betroffenen hätten nur 1,57 Euro pro Mahlzeit zur Verfügung. Die Idee gefalle ihm trotzdem, sagt Elgert und muss zum nächsten Interview - die wenigen anwesenden Erwerbslosen sind sehr gefragt und schaffen es kaum, die Lachshäppchen, die die WASG selbst auf der Straße anbietet, zu kosten.
Als zwei Hartz-IV-Empfänger ohne Reservierung hinein wollen, lässt Restaurantleiter Rainer Möckel sie nicht ein. Ins "Borchardt" lässt er heute nur, wer reserviert hat. "Hier darf nur essen, wer sich die passende Kleidung leisten kann", ruft ein WASGler. Einer der Abgewiesenen sieht trotzdem zufrieden aus. Möckel habe ihm einen Job im Lager in Aussicht gestellt.
Für Redler ist die Aktion ein voller Erfolg. Es seien etwa 100 Leute gekommen, "dass darunter auch WASG-Mitglieder sind, schließt sich ja nicht aus". 13 Erwerbslose mit Reservierungen hätten es hineingeschafft, behauptet Redler. Sollte das stimmen, muss sich Redler schnell überlegen, wie sie deren Zeche von Sarrazin "eintreibt". Entsprechende Aktionen sollen noch vor der Wahl stattfinden, solange der Senator "nervös" sei. Konkret geplant habe sie bislang nichts. Ein medienwirksamer Wahlkampfgag sei dies aber nicht, die Partei sei ständig auf der Straße präsent. KERSTIN SPECKNER
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