Larry Sanger und Jimmy Wales streiten sich seit Jahren. Öffentlich, im Internet. Sanger bezeichnet sich als "Ko-Wikipedia-Gründer". Der Einsatz von Wiki-Software, die die einfache Bearbeitung des Internet-Lexikons ermöglicht, sei seine Idee gewesen, wie auch der Name - was Wales bestreitet.
Fachlich dreht sich der Streit um die Frage, ob Wikipedia-Artikel von Experten kontrolliert werden sollen. Wales beantwortet dies mit Nein, da sonst die Freiheit des Wortes nicht gewährleistet sei. Sanger ist für eine Kontrolle. Es sei wichtiger, dass die Beiträge korrekt seien.
Die Probleme der Wikipedia scheinen ihm Recht zu geben. Da sie von jedem bearbeitet werden kann, ist sie fehleranfällig. Die Selbstkontrolle durch die Community hat in der Vergangenheit mehrfach versagt. Bekanntestes Beispiel ist der Eintrag über den US-Journalisten John Seigenthaler, dem eine Verwicklung an der Ermordung John F. Kennedys unterstellt wurde. Erst nach Monaten wurde dies gelöscht - nachdem Seigenthaler es selbst entdeckt hatte.
Sanger baut nun eine Wikipedia-Konkurrenz auf. "Citizendium" (www.citenzendium.org) soll demnächst online gehen. Ähnlich wie bei Wikipedia kann jeder "Autor" werden, Artikel schreiben und bearbeiten. Allerdings kontrollieren "Redakteure" die Artikel zu den Bereichen, auf denen sie Experten sind. Schließlich soll ein "faires Regelwerk" erarbeitet werden, das "Wachtmeister" überwachen. Dies soll verhindern, dass in Citizendium ähnlich quälende Diskussionen geführt werden wie in der Wikipedia, wo manche Nutzer Beiträge oft mehrfach pro Tag ändern.
Citizendium wird nicht von null starten. Sanger will die Inhalte der Wikipedia übernehmen. Dortige Änderungen sollen regelmäßig in die entsprechenden Citizendium-Artikel übernommen werden - falls sie dort noch nicht bearbeitet wurden. Wales wird sich über diese Nutzung der Wikipedia wohl nicht freuen. Verhindern kann er es kaum. Die freie Lizenz, unter der die Wikipedia veröffentlicht wird, gibt Sanger das Recht dazu.
MARIUS MEYER
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