INTERVIEW: BJÖRN BENDIG
taz: Herr Yazici, wie bewerten Sie als stellvertretender Vorsitzender des Bündnisses der Islamischen Gemeinden in Norddeutschland das Zusammenleben von Muslimen und Homosexuellen? Man könnte denken, dass die Moralvorstellung vieler konservativer Muslime einer Integration entgegen steht.
Ahmet Yazici: Nein, das glaube ich nicht. Nicht nur die konservativen Muslime haben eigene Vorstellungen, wenn es um Homosexualität geht. Das haben auch konservative Christen.
Gibt es Aussagen im Koran, die Homosexualität thematisieren?
Ja, an mehreren Stellen, und zwar ziemlich ausführlich. Es ist Konsens unter den islamischen Gelehrten: Homosexualität ist eine Sünde. Sie ist nicht im Sinne des Schöpfers.
Ist es nicht erlaubt, als Moslem schwul oder lesbisch zu sein?
Es ist eine Sünde für einen Moslem. Es gibt viele andere Sünden für Muslime, die sie auch begehen, obwohl sie Muslime sind. Alkohol zu trinken ist zum Beispiel auch verboten. Vielleicht gibt es zwischen den Sünden einen unterschiedlichen Grad. Ehebruch ist beispielsweise eine große Sünde. Wir können das nur aus dem Koran ablesen und den Menschen vermitteln. Ob sich die Menschen daran halten, liegt bei ihnen. Das Paradies muss man sich verdienen.
Und die Sünde der Homosexualität verwehrt einem den Weg ins Paradies?
Ob sie den verwehrt, weiß Gott alleine. Wer ins Paradies kommt, entscheidet Gott selbst.
Ihre Organisation unterweist in islamischer Glaubenspraxis. Was wird in Bezug auf Homosexualität gelehrt?
Wir verstehen uns als Religionsgemeinschaft und nicht als Sexualunterricht gebende Institution. Unsere Aufgabe ist, unsere Gemeinde im Islam zu unterrichten, die Religionsausübung zu gewährleisten und das dazu nötige Wissen zu vermitteln. Wir sagen ganz klar: Sexualkundeunterricht gehört in die Schule, und alle Kinder müssen sich das von den Pädagogen, die vernünftig darauf vorbereitet worden sind, anhören.
Mit welcher Intention nehmen Sie an der heutigen Diskussion "Schwule, Lesben und Muslime" teil?
Unsere Intention ist es, als Religionsgemeinschaft klar zu machen, wie wir dazu stehen. Auf der einen Seite ist Homosexualität eine Sünde, aber auf der anderen Seite darf kein Muslim sich das Recht herausnehmen auszuscheren und Selbstjustiz zu üben und des Schöpfers Stelle einzunehmen. Im Sommer soll es Übergriffe auf Homosexuelle in St. Georg gegeben haben. Ich bin dort, um klarzustellen, dass wir als Religionsgemeinschaft Gewalt verurteilen. Und sie darf auf keinen Fall im Namen des Islams, auch gegenüber Homosexuellen, in irgendeiner Art und Weise ausgeführt werden.
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