BERLIN taz
Mit dem Klimawandel lässt sich Geld verdienen. Zum Beispiel bei Al Gores Kinodebüt "Eine unbequeme Wahrheit". Der Film dokumentiert die Klimaerwärmung. Er wird klimaneutral gezeigt - dank Climate Partner. Die Münchener Firma ermittelt in diesen Tagen sämtliche CO2-Emissionen rund um den Kinofilm. "Vom Flyer bis zur Popcornmaschine halten wir den genauen Strom- und Energieverbrauch fest", erklärt Moritz Lehmkuhl, Geschäftsführer des Unternehmens.
Dann beginnt ein ökologischer Ablasshandel: Climate Partner addiert sämtliche CO2-Emission des Kinofilms. Im gleichen Umfang finanziert Lehmkuhls Firma dann regionale Klimaschutzprojekte. So wurde zum Beispiel eine Biomasse-Anlage in Indien für 5.500 Haushalte auf die Beine gestellt. Das emittierte CO2 wird also an anderer Stelle wieder eingespart und Lehmkuhls Auftraggeber bekommt das Zertifikat "klimaneutral". Denn: "Treibhausgase sind ein globales Problem. Deswegen können in Deutschland angefallene Emissionen irgendwo auf der Welt wieder eingespart werden."
Climate Partner nutzt die Mechanismen des CO2-Zertifikate-Handels. Eine Tonne Kohlendioxid kostet bei dem Unternehmen zurzeit 8 bis 9 Euro. Davon werden 70 Prozent direkt in Klimaschutzprojekte investiert, 30 Prozent behält Climate Partner. Die Investitionsprojekte erfüllen den Standard "Gold" des internationalen Klimaschutzabkommens und sind TÜV-geprüft.
"Climate Partner übernimmt den ganzen Verwaltungskram", sagt Lehmkuhl. Für eine einzelne Firma - erst recht für einzelne Personen - sei dieser Aufwand zu groß. Seine Firma bündelt das Geld, investiert es in erneuerbare Energien und vergibt das Gütesiegel klimaneutral an teilnehmende Firmen.
Bisher hat Climate Partner rund 50.000 Tonnen CO2 ausgeglichen: 7.000 Kataloge von Neckermann wurden so klimaneutral ausgeliefert und der CO2-Verbrauch des Klimaschutzreports von Allianz und WWF ausgeglichen. Der Notebook-Hersteller Averatec hat seinen Kunden zu jedem Laptop ein Zertifikat über eine Tonne CO2 dazugeschenkt. "Klimaneutrale Produkte verkaufen sich gut", erklärt Lehmkuhl die Motivation seiner Auftraggeber. Ökologische Verantwortung müsse den Firmen auch ökonomisch etwas bringen.
Climate Partner wurde im September diesen Jahres gegründet. Moritz Lehmkuhl hat aber schon zuvor bei der Unternehmensberatung Sustainable Partner Kontakte geknüpft. Kredite, Subventionen oder Gesellschafter, die Geld in das Unternehmen pumpen, lehnte der 33-jährige Betriebswirt ab. "Die Gehälter der acht Mitarbeiter werden direkt aus den laufenden Einnahmen gezahlt", sagt Lehmkuhl. Der Umsatz bewege sich im fünfstelligen Bereich. "Noch machen wir keine großen Sprünge. Aber wenn ich mir angucke, welche Firmen ich heute betreue - das hätte ich mir noch vor kurzem nicht träumen lassen."
MAIKE BRZOSKA
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