Die Privatleute haben in den vergangenen zehn Jahren zum Klimaschutz beigetragen - aber sie haben fast nichts dafür getan. Diese paradox anmutende Botschaft liefert der Bericht zu den umweltökonomischen Gesamtrechnungen.
Das Statistische Bundesamt hat darin errechnet, dass die Deutschen 2004 in ihren Wohnungen und mit ihren Autos 9,3 Prozent weniger Kohlendioxid (CO2) erzeugt haben als 1995. Doch: Sie verbrauchen trotzdem 1,8 Prozent mehr Brennstoff, Sprit und Strom. Aller beschworenen Wachstumsschwäche zum Trotz nehmen sie mehr Wohnfläche für sich in Anspruch als noch vor zehn Jahren, sie betreiben mehr Elektrogeräte und sie fahren mehr Auto. Um 9,5 Prozent ist allein die Zahl der gefahrenen Kilometer gewachsen.
Dass dennoch weniger klimaschädliches CO2 in die Atmosphäre entlassen wird, liegt am veränderten Brennstoff- und Energiemix sowie der Statistik. Die Verbraucher heizen mit Gas statt mit Erdöl und tanken Diesel statt Benzin. Dabei wird jeweils weniger CO2 frei. Für die Statistik gilt: Die Emissionen, die bei der Stromerzeugung aus fossilen Energieträgern entstehen, werden den Kraftwerken, nicht den Haushalten, angelastet. Dass der Anteil des Stroms am Verbrauch der Haushalte gewachsen ist, senkte rechnerisch ihren CO2-Ausstoß: Dass die Leute mehr Computer und Wäschetrockner betreiben, schönt ihre Klimabilanz.
Abgesehen von solchen Widersprüchen, lässt sich aus dem Befund der Statistiker das Fazit ziehen: Die Deutschen haben bei sich zu Hause Klimaschutz nach Kassenlage betrieben - im Wesentlichen dann, wenn sie damit sparen konnten; ohne auf etwas zu verzichten.
Sie stiegen zwar auf billiges Gas um, heizen aber nach wie vor zu gekippten Fenstern hinaus. Sie fahren zwar günstigen Diesel, dafür aber öfter und weiter. Viele verpulvern nach wie vor Strom für Stand-by-Geräte, weil sie zu faul sind, ihre Videorekorder neu zu programmieren. Werden sie darauf hingewiesen, reagieren sie trotzig wie getadelte Kinder. Wer jedoch klagt, dass die Politik reformunfähig sei, und Angst vorm Klimawandel hat, sollte auch konsequent handeln. Also, Fenster zu und Licht aus!
Das Archiv der taz enthält die meisten seit 1986 gedruckten Texte sowie die Artikel der deutschsprachigen Le Monde diplomatique seit 1995.

Wollen Sie taz-Texte im Netz veröffentlichen oder nachdrucken, dann wenden Sie sich bitte an unsere Abteilung Syndikation: lizenzen@taz.de.
Hier finden Sie alle seit Juni 2007 auf taz.de erschienenen Beiträge.
Das kostenpflichtige Archiv der gedruckten tageszeitung mit allen Texten seit 1986 finden Sie in der Volltextsuche der taz.