taz: Herr Lieben-Seutter, wie wird das musikalische Profil der Elbphilharmonie aussehen?
Christoph Lieben-Seutter: Es wird ein hochqualitatives Konzertprogramm geben, das zu 70 Prozent in der klassischen Musik zuhause ist und von großen Orchesterkonzerten über Solistenkonzerte, Kammermusik und Neue Musik bis zur konzertanten Oper reicht. Zu 65 Prozent werden wir die Säle an andere Veranstalter vor Ort vermieten. Insgesamt wird das Profil der Kölner Philharmonie, dem Wiener Konzerthaus und dem Amsterdamer Concertgebouw vergleichbar sein. Auch Jazz und Weltmusik oder Musical-Shows werden Teil des Repertoires sein.
Wie wollen Sie die Elbphilharmonie von der bereits bestehenden Laeiszhalle abgrenzen?
Vom Repertoire her bietet sich an, Musik des 20. Jahrhunderts in der Elbphilharmonie zu spielen. Klassisches Repertoire und Barockmusik passen besser in die Laeiszhalle.
Die Elbphilharmonie hat 2.200 Plätze und soll möglichst täglich bespielt werden. Dafür brauchen Sie viele neue Hörer. Wie wollen Sie Menschen, die noch nie einen Konzertsaal von innen sahen, in die Elbphilharmonie holen?
Ich glaube, dass schon das Gebäude einen großen Anreiz bieten wird. Außerdem werden wir schon im Vorfeld, bis die Elbphilharmonie fertig ist, das Programm sukzessive ausweiten und an Schulen und in Stadtteile gehen, in denen es keine Konzerte gibt. Außerdem wollen wir Pop, Jazz, Weltmusik auf der gleichen Plattform anbieten wie die Klassik. Das erfordert natürlich ein Marketingkonzept.
Können Sie ein paar Tricks dieses Konzepts nennen?
Einer ist, an Kundengruppen, die an eine andere Institution angedockt sind, heranzukommen. Das können Abonnenten einer Zeitung oder einer Radiostation, vielleicht auch die Kunden der Hamburger Solarien sein, denen man ein spezifisches Angebot zu einem günstigen Preis macht.
Apropos: Werden sich nur die Reichen Elbphilharmonie-Konzerte leisten können?
Keineswegs. Man soll auch um den Preis einer Kinokarte in jedes Konzert hineinkommen. Ich bin ein Verfechter von sehr unterschiedlichen Preiskategorien.
Aber wie wollen Sie bei so viel Großzügigkeit wirtschaftlich arbeiten?
Ich sehe ein großes Potenzial, was Sponsoren betrifft, und auch im Fundraising nach angelsächsischem Prinzip, um Spendengelder auch für den laufenden Betrieb zu bekommen.
Ist das Sponsorenpotenzial durch die Summen, die für den Bau der Elbphilharmonie flossen, nicht schon ausgeschöpft?
Ich glaube nicht, denn dies waren hauptsächlich private Geldgeber. Für den laufenden Betrieb hatte ich eher an Firmen gedacht. Ich glaube, dass die Elbphilharmonie eine internationale Ausstrahlung haben und nicht nur für Hamburger Firmen interessant sein wird, sondern auch für etliche deutsche Konzerne, die bisher noch nicht in Erscheinung getreten sind. INTERVIEW: PS
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