Dezibel, A-Bewertung und äquivalenter Dauerschallpegel ergibt zusammen Fluglärm.
Der Schall breitet sich im Raum gleichmäßig aus. So wie Wellen, die entstehen, wenn ein Stein ins Wasser fällt. Diese Wellen verlieren nach außen hin an Kraft. Eine Binsenweisheit: Je weiter weg die Schallquelle ist, desto weniger bekommen wir vom Geräusch mit. Physikalisch gesehen ist "Schall ein Druck", sagt Diplom-Ingenieur Reimer Paulsen vom Deutschen Arbeitsring für Lärmbekämpfung. "Gemessen werden die hörbaren Schalldrücke in Dezibel." Da das Ohr hohe Töne lauter wahrnimmt, muss diese "Frequenzabhängigkeit berücksichtigt" werden, so Paulsen. Das nennen die Experten dann "A-Bewertung". Und so heißt die übliche Einheit bei einer Lautstärkenmessung "dB (A)".
Im Fluglärmgesetz werden "äquivalente Dauerschallpegel" geregelt. Das ist ein Lärm-Mittelwert bezogen auf eine bestimmte Zeit. Dabei macht es keinen Unterschied, ob man die ganze Zeit ein gleichmäßiges Geräusch hört oder ab und zu Lärmspitzen verkraften muss. Nach dem Gesetz liegt zum Beispiel in der Tag-Schutzzone 1 der Grenzwert für den äquivalenten Dauerschallpegel bei 65 dB(A). Einen solcher Wert kann dadurch erreicht werden, dass alle paar Minuten ein Flugzeug Lärm macht. Oder man stellt sich einen laufenden Staubsauger in die Ecke - auf die Dauer hat man den gleichen Dauerschallpegel.
Das Problem: "So einem rechnerischen Mittelwert ist es egal, ob zwei sehr laute oder zehn leisere Flugzeuge vorbei geflogen kommen", erklärt Paulsen. Vermutlich empfindet man aber zehn Flieger als erheblich störender, auch wenn sie etwas leiser sind. Über diese psychologischen Aspekte sagt ein solcher Wert natürlich nichts aus.
Dass Lärm krank machen kann, ist unter allen Experten unstrittig. Im Gesetz wurde nun der Grenzwert für die Nachtschutzzone auf 55 dB(A) festgelegt. Bereits im Jahr 2000 aber schrieb das Umweltbundesamt: "Bei Fluglärmbelästigungen von 45 dB(A) nachts wird die Grenze zu erheblichen Belästigungen erreicht." Und schon ab 50 Dezibel seien "Gesundheitsbeeinträchtigungen zu befürchten."
In einer aktuellen Studie der "Ärzte-Initiative für ungestörten Schlaf" aus Siegburg wird dies bestätigt. "Lärm ist ein schädliches Element", sagt die Vorsitzende Gerda Noppeney. Für die Studie wurden die Patientendaten von 809.000 Personen ausgewertet, die nächtlichen Fluglärm rund um den Flughafen Köln-Bonn ertragen müssen. Dort starten zwischen drei und fünf Uhr nachts Frachtmaschinen. "Wir haben festgestellt, dass signifikant mehr blutdrucksenkende Mittel verschrieben wurden."
Männer bekamen bei stärkerer Lärmbelastung ein Viertel mehr Medikamente verordnet als in der Vergleichsgruppe. Unter den Frauen lag die Zahl der Blutdruckpatienten in der Untersuchung sogar zwei Drittel über ihrer Vergleichsgruppe. Die hat nachts Ruhe.
BENJAMIN WASSEN
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