Einen Tag nach einem Brandanschlag vor dem Haus des SPD-Politikers Thomas Mirow in Hamburg-Winterhude liegt ein Bekennerschreiben vor. Eine "AG Kolonialismus und Krieg in der militanten Anti-G8-Kampagne" gibt als Motiv ihren Protest gegen den Gipfel der G8-Staaten im Juni in Heiligendamm in Mecklenburg-Vorpommern an. Mirow sitze als Staatssekretär im Bundesfinanzministerium an "mehreren strategischen Schalthebeln der Macht". Er sei zur Stelle, "wo immer in Deutschland und in internationalen Organisationen über Schuldenprogramm, Kreditvergabe oder Strukturanpassung für die Regionen des Trikonts entschieden wird".
Die Täter hatten am Dienstagmorgen gegen 3 Uhr das vor dem Haus geparkte Auto von Mirows Ehefrau angezündet. Das Auto brannte vollständig aus. Zudem wurden blaue Farbbeutel gegen die Hauswand geworden, Fenster und Teile der Fassade kamen zu Schaden. Verletzt wurde niemand: Mirow und seine Familie waren nicht in Hamburg. Der Staatsschutz hat die Ermittlungen aufgenommen.
Der 53-Jährige war von 1993 bis 2001 Stadtentwicklungs- und Wirtschaftssenator in Hamburg. In seine Amtszeit fiel die Entscheidung, das Airbus-Werk Finkenwerder für den A 380 zu erweitern. Seit November 2005 ist Mirow im Bundesfinanzministerium zuständig für Europa-, Finanzmarkt- und Währungspolitik. In dieser Funktion nimmt er an den Treffen der Finanzminister der G8-Industriestaaten teil.
Die Gruppe, die den Anschlag verübte, fordert die "bedingungslose Streichung der Schulden aller Länder des Südens" sowie die Zahlung von Reparationen "für die Verbrechen des Kolonialismus und Imperialismus". Weiter heißt es in dem Bekennerschreiben, das bei der Hamburger Morgenpost einging, der Gipfel solle genutzt werden, um "europäische und deutsche Kolonialherrschaft zu thematisieren".
Im Mai hatte sich eine Gruppe "fight 4 revolution crews" zu einem Anschlag auf den Leiter des Hamburgischen Welt-Wirtschafts-Instituts (HWWI), Thomas Straubhaar, bekannt. Vor dessen Haus wurden sein Auto in Brand gesetzt sowie Steine und ein Farbbeutel gegen das Gebäude geschleudert. Das Haus des Hamburger Wirtschaftssenators Gunnar Uldall (CDU) bekam im April 2004 ebenfalls einen Farbbeutel ab. Dazu bekannte sich eine "Gruppe revolutionäres Warm up". Elke Spanner
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