"Kein Vergeben, Kein Vertuschen!" steht in großen Buchstaben auf dem Fronttransparent des Zuges. Dahinter trommelt eine buntkostümierte Sambaband. Gestern demonstrierten im Bezirk Mitte rund 500 Menschen im Gedenken an den Flüchtling Oury Jalloh. Mütter mit Kinderwagen, ältere Menschen, aber auch junge Punks und Studenten sind gekommen, um gegen rassistische Polizeigewalt und die deutsche Flüchtlingspolitik zu protestieren. Manche von ihnen sind extra aus Bremen und Hamburg angereist.
Der damals 21-jährige Oury Jalloh war vor zwei Jahren in Dessau im Polizeigewahrsam in seiner Zelle qualvoll verbrannt. Die genauen Umstände seines Todes sind bis heute nicht geklärt. "Ich finde es unmöglich, dass da ein Mensch stirbt und die Behörden anscheinend gar kein echtes Interesse daran haben aufzuklären, was in dieser Nacht tatsächlich passiert ist", sagt Stefan Petzoldt, der seinen 7-jährigen Sohn an der Hand hält. Nun soll Anfang März der Prozess gegen einen beteiligten Dienstgruppenleiter der Polizei beginnen.
Aufgerufen hatte zu dem Protestmarsch ein breites Bündnis aus antirassistischen Gruppen und Flüchtlingsinitativen. Zeitgleich beteiligten sich in Dessau 200 Menschen an einer Gedenkveranstaltung. "Wir wollen mit der Demo den öffentlichen Druck erhöhen und zeigen, dass wir die zweijährige Verzögerung bei den Prozessen nicht einfach hinnehmen werden", erklärt Julia Lange von der Antirassistischen Initiative Berlin e. V. (ARI). Mit einer kontinuierlichen Öffentlichkeitsarbeit und weiteren Demonstrationen wolle man bis zum Prozessbeginn Aufmerksamkeit auf das Verfahren lenken. Gleichzeitig sammelt die Gruppe Spenden, um die Eltern von Oury Jalloh bei ihrer Nebenklage finanziell zu unterstützen.
JOHANNES RADKE
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