taz: Bist Du gerne zur Schule gegangen?
Korbinian Deuchler, Sprecher der Grünen Jugend: Ja, ich habe immer gerne gelernt - allerdings wusste ich oft nicht, wofür das alles gut ist.
Welche Alternativen siehst Du zum Frontalunterricht?
Das Konzept der demokratischen Schule verzichtet auf Lehrpläne und Schulzwang. Es geht davon aus, dass Kinder lernen wollen - spätestens wenn sie ihren Comic beim Kiosk kaufen und überlegen, wie viel dann noch von ihren zwei Euro übrig bleibt.
Wenn man Abitur machen will, reichen Kopfrechenübungen aber nicht aus.
Es geht ja auch nicht darum, elementare Schulfächer abzuschaffen.Die Lernziele sollen erhalten bleiben. Wissen ist wichtig. Es geht um die Art und Weise des Lernens. Das Bremer Schulsystem geht davon aus, dass Schüler nicht lernen wollen, was nicht stimmt.
Was ist bei einer demokratischen Schule anders?
Es gibt ein Plenum, in dem jeder eine Stimme hat. Regeln werden gemeinsam beschlossen. Es gibt Lehrer, die verschiedene Lerngruppen begleiten - oft wird diese Aufgabe aber auch von älteren SchülerInnen übernommen. Ziel ist, mündige, demokratische Bürger heranzuziehen.
Dieses Ziel haben auch Privat- und Eliteschulen, die aber hierarchisch funktionieren und gerade wieder stark gefragt sind.
Das halte ich für gefährlich. Gerade in Zeiten von Wirtschaftskrisen braucht man kreative Leute, und die bekommt man nicht durch hierarchische Zwänge, sondern durch Freiheit.
Interview: Nina Kim Leonhardt
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