Nirgendwo lässt sich das grandiose Scheitern der Klimapolitik besser dokumentieren als in der Verkehrspolitik. In Europa hat sich der Klimagas-Ausstoß zuletzt zwar reduziert, die CO2-Emissionen beim Verkehr aber sind, anders als versprochen, stark gestiegen. Die Fortschritte in anderen Bereichen werden damit vom heiligen Blechle weitgehend geschluckt.
Vom technisch machbaren Ein-Liter-Auto sind wir kilometerweit entfernt. Die riesigen Fortschritte in der Fahrzeugtechnologie werden von immer mehr PS und immer mehr Gewicht neutralisiert. Noch deutet sich kein Imagewechsel an, weg von der Erotik des Rallyestreifens hin zum intelligenten, sparsamen Pkw. Wir fahren heute mit Autos, mit denen man noch vor 20 Jahren bequem den Großen Preis von Deutschland gewonnen hätte, zum Brötchenholen. Ungetüme mit zwei Tonnen und reichlich PS-Porno.
Als im Herbst die Zeitungen voll waren mit ihren Berichten über den Klimagipfel in Nairobi, waren in denselben Blättern fette Doppelseiten platziert, auf denen Audi ungeniert seine neuen 400-PS-Boliden vorstellte. Und weit und breit war niemand in Sicht, der die Audi-Manager weggesperrt hätte bei Wasser, Brot und Gammelfleisch.
Das Auto ist das große Aushängeschild unseres klimafressenden Lebensstils, das Leitprodukt der Moderne und das liebste Spielzeug. An ihm wird sich entscheiden, ob wir beim Klimaschutz ernst machen oder ob die Monstrosität des "Weiter so!" regiert.
Doch in Deutschland ist nicht einmal ein simples Tempolimit durchsetzbar. Im Land des ehemaligen Autokanzlers sind wir in der Verkehrspolitik auf EU-Hilfe angewiesen, aus eigener Kraft wird der Entzug kaum gelingen. Der Brüsseler Entwurf zur Zähmung des Autos verlangt nicht viel mehr von den Autobauern, als sie in freiwilligen Verpflichtungen ohnehin versprochen hatten. Das Jaulen der Industrie ist nur tumbe Lobbypolitik.
Mit dem stürmischen Rückenwind von "Kyrill", den Temperaturrekorden dieses Winters, mit dem Anfang Februar kommenden neuen Gutachten der Klimapäpste muss es endlich gelingen, in der Tiefgarage abzurüsten. Ansonsten gilt: Die PS-Zahl sollte nie den Intelligenzquotienten übersteigen.
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