taz: Frau Wehrmann, nach 31 Jahren gehen Sie vorzeitig in den Ruhestand. Warum?
Ilse Wehrmann: Das, was in Bremen im sozialen Bereich passiert, ist mir gesundheitlich in den Kleidern hängengeblieben.
Was besonders?
Die Stadt versündigt sich an ihren Kindern, wie sehr, zeigt die neue Unicef-Studie zur Situation von Kindern, bei der Bremen als Schlusslicht dasteht.
Was ist zu tun?
Wir brauchen in den Kindergärten als erstes kleinere Gruppen und eine zweite Erzieherin - und keine angelernte Aushilfskraft. Und mehr Ganztagsplätze. Das ist momentan auch wichtiger als Beitragsfreiheit oder ein weiteres Projekt, das sich nach dem Pisa-Schock gut in der Presse ausnimmt, aber keine Langzeitwirkung hat. Aber das kostet alles sehr viel Geld und das ist für Kinder leider nicht da.
Nun hat ja nach dem Tod von Kevin sogar der CDU-Innensenator Thomas Röwekamp angekündigt, dass kein Cent an Kindern gespart werden soll.
Ich hoffe sehr, dass es nicht bei Lippenbekenntnissen kurz vor der Wahl bleibt. Mich wundert allerdings sehr, dass in Bremen noch kein runder Tisch zu dem einberufen wurde, ich stehe gerne als Beraterin zur Verfügung.
Sie ziehen sich nicht resigniert zurück, etwa nach China, wo Sie ja auch Beratungsarbeit geleistet haben?
Oh nein, ich bleibe ein streitbarer Geist für Kinder und werde mich dafür einsetzen, dass Kinder in unserer Gesellschaft einen anderen Stellenwert bekommen. Dafür müssen als erstes die Schilder "Spielen verboten" verschwinden. Interview: E. Bruhn
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