taz: Was war schlecht in der letzten Woche?
Friedrich Küppersbusch: Nix. Darf ich trotzdem weitermachen?
Was wird besser in dieser?
Steuerfreiheit für erneuerbare Energien klingt sehr vernünftig.
In der Union regt sich Widerstand gegen von der Leyens Plan, mehr Geld in die Kinderbetreuung zu stecken. Wer wird gewinnen: die Modernisierer oder die Familienfraktion?
Clever wäre, das Interesse der Wirtschaft in den Vordergrund zu holen, gut ausgebildete junge Frauen möglichst schnell nach der Entbindung wieder auf dem Arbeitsmarkt verfügbar zu haben. Und ein paar amtskatholische Statements, wonach Krippenplätze eine rigide Politik gegen Schwangerschaftsabbrüche ermöglichen. Schon stünde der ganze Ansatz als sturzreaktionär da, und die Unionswelt wäre wieder in Ordnung.
Wird Merkel, die Konflikte lieber aussitzt, sich in diesen Streit mal einmischen?
Sie lässt ihren Generalsekretär pro von der Leyen argumentieren und bezieht damit für ihre Verhältnisse recht klar Stellung. Aus der Deckung kommt sie erst, wenn die Sache entschieden ist.
Kann dieser Streit für die Union zu einer Zerreißprobe zwischen dem liberalen, großstädtischen Milieu und den Traditionalisten werden?
Nein, das ist überbewertet. Die Union der frühen 80er hat die SPD familien- und frauenpolitisch angegriffen und sich so satte Mehrheiten gesichert. Dann entsorgte Kohl die Protagonisten dieser Erfolge, Geißler, Süssmuth. Merkel ist gut beraten, gleichzeitig Hü und Hott gelten zu lassen. Und den störenden Teil nach der Wahl zu vergessen.
Am Mittwoch inszeniert die CSU in Passau ihren politischen Aschermittwoch. Wie ist denn derzeit der Stand im Konflikt Seehofer gegen Huber?
Nach Bischof Meisners Wort, eine C-Partei dürfe außereheliche Beziehungen ihrer Vorsitzenden nicht dulden, steht ja die Entlassung Merkels bevor (geschieden, dann lange in wilder Ehe lebend). Wie auch die Heiligsprechung Kohls (hat korrekt abgewartet, bis seine Gattin sich umbringt). Als Oberbayer darf Seehofer im niederbayerischen Passau nicht offiziell reden, das nimmt der Sache viel von ihrem Reiz.
Ist es sinnvoll, dass Kurt Beck Minister wird? Soll er SPD-Kanzlerkandidat werden?
Beck ist ein ausreichend spießiger Vorschlag für konservative Wähler, die vielleicht nicht Merkel, am Ende dann aber doch CDU wählen. Hingegen hat er bisher wenig hinbekommen, seine eigene Partei wieder stärker zu mobilisieren. Deshalb ist seine Ausstrahlung ins gegnerische Lager weniger wertvoll als die Agonie in Becks eigenen Reihen schädlich. Und er ist unterm Strich maximal eine Übergangslösung.
Hat die SPD wirklich keinen Besseren?
Steinmeier bliebe stets gefährdet, Müntefering hat einmal vor der Macht zurückgeschreckt, Platzeck auch. Steinbrück bringt eine verlorene Wahl mit, die anderen Kabinettsmitglieder sind noch stets farblos. Tja, festhalten!, außer Beck hätte die SPD nur: Wowereit. Hat die Linkspartei besser im Griff als andere Sozis die Grünen. Ist 'ne personifizierte Antwort auf das unklare Gesellschaftsbild der Union. Und: Alle in der SPD mobben ihn jetzt schon. Dafür muss man normal erst mal Kanzler sein.
Und wer soll für Beck, wenn es denn so kommt, im Kabinett Platz machen?
Hm. Schäuble.
In der Kurnaz-Steinmeier-Affäre werden immer neue Dokumente veröffentlicht. Wer der Meinung war, dass Steinmeier und Rot-Grün damals falsch gehandelt haben, ist es nun umso mehr - und wer sein Verhalten richtig fand ebenfalls. Blicken Sie bei den Details noch durch?
Nein, und wenngleich aufgeklärt werden muss, warum was wie geschah, könnte man Teile dieser Energien auch darauf verwenden, fair und gerecht mit Kurnaz in der Gegenwart umzugehen.
Der DFB hat nach der Randale in Leipzig in Sachsen 60 Fußballspiele abgesagt. War diese Absage richtig oder nur ein hilfloses Symbol?
Mal gucken!
Und was macht Borussia Dortmund?
Heimsieg. Ist vermutlich 'ne Karnevalsverkleidung. FRAGEN: SR
Teile der Energien, die in die Aufklärung der Kurnaz-Steinmeier-Affäre fließen, könnte man verwenden,
um jetzt fair
mit Kurnaz
umzugehen
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