Dass sich der Mensch gleich dem Seestern einen durch Unfall verlorenen Arm einfach nachwachsen lassen könnte, ist ein alter Traum der Biotechnologen. Japanische Wissenschaftler sind diesem Ziel jetzt um die Länge eines Mäusezahns nähergekommen. Das Team um den Entwicklungsbiologen Takashi Tsuji von der Universität Tokio pflanzte biotechnologisch entwickelte Zahnknospen lebenden Tieren ein, bei denen sich daraus normale Schneide- und Backenzähne entwickelten. Damit gelang erstmals bei Säugetieren die Einpflanzung eines gänzlich biotechnologisch erzeugten Organs.
Ihre Versuche haben die Forscher diese Woche in der Online-Ausgabe von Nature Methods dokumentiert. Zuerst isolierte die Gruppe um Tsuji aus den Zahnknospen von Mäuseembryonen Zellen des Deckgewebes (Epithel) und des Bindegewebes (Mesenchym) und führte dann die beiden Zellarten, die Natur selbst in der Petrischale nachahmend, wieder zusammen.
Die stabile Nachbarschaft der Zellen ist Voraussetzung für die erfolgreiche Entwicklung eines Organs. Mit einem besonders cleveren Kunstgriff brachten die Wissenschaftler die Zellen in eine dreidimensionale Formation. Sie klebten sie sozusagen fest, in einem Tropfen aus dem Protein Kollagen, welches dem Bindegewebe Festigkeit verleiht.
Nach durchschnittlich 16 Tagen waren verpflanzungsfähige Zähne herangereift, welche der Mäusekiefer - anstelle eines gezogenen Zahnes - anstandslos akzeptierte und mit Blut- und Nervenbahnen ausfüllte. Die 50 Versuche bei jungen Mäusen waren alle erfolgreich. Zwei Zähne wuchsen auch bei einer acht Wochen alten, "erwachsenen" Maus ein. Der Artikel verschweigt aber, wie viele Versuche mit diesem Ziel unternommen wurden. Auch ist nicht zu erfahren, wie eng genetisch verwandt die Embryonen, aus denen die Zellen stammten, mit den Versuchstieren waren.
Wegen der Verwendung embryonaler Zellen verbieten sich vorerst ähnliche Versuche am Menschen. Im Gewebe erwachsener Säugetiere sind bisher noch keine Zellen mit ausreichend flexiblen Entwicklungsmöglichkeiten bekannt. Aber die Wissenschaftler hoffen offenbar, auch dort geeignete Zellen zu finden. In einer neuen Versuchsreihe haben sie Mäusen nun auch erfolgreich biotechnologisch erzeugte Haare eingepflanzt. Sollten sich diese Resultate tatsächlich auf die Menschheit übertragen lassen, eröffnete dies ihrer männlichen Hälfte rosige Perspektiven.
BARBARA KERNECK
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