Dem ausklingenden Fasching entsprechend endete der Wienbesuch von Henryk M. Broder, der vergangene Woche auf Einladung der konservativen Volkspartei sein kleines antiislamisches Pamphlet "Hurra, wir kapitulieren" vorstellte. Der Höhepunkt von Broders Visite war erreicht, als er Moische Arie Friedman auf der Straße erblickte. Letzterer, selbsternannter "Oberrabbiner" einer antizionistischen Gemeinde ist nämlich, wie man wissen muss, noch eine Spur durchgeknallter als Broder. So war Friedman Ehrengast bei der Teheraner "Holocaust"-Konferenz - eigentlich Holocaust-Leugner-Konferenz -, wo er freundlich mit Präsident Mahmud Ahmadinedschad konferierte.
Broder, der wiederum fürchtet, die Muslime würden demnächst überall, aber vor allem in "Eurabia" die Macht übernehmen, sprang also auf Friedman zu, bellte ihn an und versuchte ihn mit dem Fotohandy zu fotografieren. Friedman fühlte sich attackiert, zückte seinerseits das Handy, telefonierte nach der Polizei und rief angeblich: "Hilfe, ich werde entführt!"
Als wäre all das nicht schon komisch genug, tauchte im selben Augenblick der Salzburger Weihbischof Andreas Laun auf - der ultrakonservative Kleriker, der unlängst Schlagzeilen machte, weil er den Baumeister Richard "Mörtel" Lugner einfach so für exkommuniziert erklärte, nur weil der eine Immobilie an eine Abtreibungsambulanz vermietet hatte.
Der Christenajatollah Laun und Broder waren ganz glücklich, dass sie sich endlich einmal begegneten. Schließlich, so ist das heutzutage mit den seltsamsten Allianzen, hat man ja im Kampf gegen die Alis und Mustafas dieser Welt eine gemeinsame Agenda. Die beiden verstrickten sich in ein Gespräch, bis die von Friedman gerufene Polizei eintraf.
Broder musste wegen seiner angeblichen "Tätlichkeit" gegenüber Friedman mit aufs Kommissariat, und Laun, der gerade nichts Besseres zu tun hatte (offenbar stand gerade keine militante Demonstration gegen Ärzte und ungewollt schwangere Frauen im Programm), begleitete den Autor auf die Wachstube.
Dass die Polizisten Broder, Laun und Friedman spaßeshalber kurz in eine Zelle sperrten, dort ein Schild mit der Aufschrift "Ein Käfig voller Narren" anbrachten und die Szene mit Friedmans und Broders Fotohandy für die Nachwelt dokumentierten, ist freilich nur eine bösartige Ausschmückung der Geschichte im traditionell hundsgemeinen Wien, wo man sich aber trotzdem daran erfreut, wieder über eine Anekdote zu verfügen, an der man noch wochenlang an den Kaffeehaustischen was zu lachen haben wird.
ROBERT MISIK
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