betr.: "Mai-Krawalle im Bezirksamt", taz vom 16. 2. 07
Als Mitglied der Luisenstadt eG, der Genossenschaft der Ex-Hausbesetzer/Innen in SO 36, möchte ich dem Entstehungsmythos des Myfestes als Bewohnerfest contra Bezirksamtsfest Folgendes entgegenhalten: Der frühere Kreisvorsitzende der SPD, Stefan Zackenfels, war 2003 auf der Suche nach einer Basisorganisation, welche zusammen mit dem Bezirksamt als Mitveranstalter auftreten sollte. Ausgestattet war er mit einem Zuwendungsbescheid des Bezirksamtes und benötigte eine Kreuzberger Basis, die sich an der Vorbereitung und Durchführung eines alternativen Veranstaltungskonzepts am 1. Mai rund um die Oranienstraße engagieren wollte.
Silke Fischer, SPD-Mitglied und heutige Kreisvorsitzende der SPD Kreuzberg, hat in ihrer Funktion als Vorstand der Luisenstadt eG den Vertrag unterschrieben, mit dem Schönheitsfehler, dass weder die Genossen der Luisenstadt noch der Aufsichtsrat darüber informiert wurden. Das ist ihr Kreuzberger Selbstverständnis.
Die Aktivisten rund um Silke Fischer wurden über den Zuwendungsbescheid bezahlt. Dazu gehörte auch die Finanzierung des Logos des Myfestes über eine Werbeagentur in Mitte, die Bezahlung des Pressesprechers und der Bühnenbetreuung inklusiv Security für ihren Aufwand.
Der jetzige Protest der Aktivisten um Silke Fischer ist eine Mogelpackung. Es geht nicht um "den Kopf hinhalten", sondern um "die Hand aufhalten". Die Spezies "politisch korrekter Kreuzberger" weiß dies zu unterscheiden. Der 1. Mai rund um die O-Straße ist ein Geschäft - seit 2003 über das Bezirksamt initiiert und bezahlt. Die SPD hat über das Myfest einen bezahlten Fuß in der Tür der Basis. Die Grünen haben über ihre ehrenamtlichen Aktivitäten zum 1. Mai bis 1987 am Lausitzer Platz und seit 1988 am Mariannenplatz diesbezüglich eindeutig weniger Profilneurosen. GERTRUD TRISOLINI, Berlin
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