• 12.03.2007

Schlechtes Klima in der Autobranche

Präsident des Verbands der Automobilindustrie tritt nach interner Kritik an seiner Klima-Politik zurück. EU-Kommissar Dimas warnt Industrie vor Verweigerung und fordert Tempolimit in Deutschland. Autoverband verwahrt sich gegen "Nachhilfe"

VON MALTE KREUTZFELDT

Eigentlich wollte sich die Automobil-Industrie in diesen Tagen endlich mal wieder positiv darstellen. Beim Automobilsalon in Genf präsentieren die Hersteller derzeit ihre Neuigkeiten und buhlen um die Gunst der Öffentlichkeit. Doch stattdessen sorgt weiterhin die Klimadiskussion für Wirbel, und der Verband der Automobilindustrie (VDA) steht plötzlich ohne Führung da.

Nach über zehn Amtsjahren ist VDA-Präsident Bernd Gottschalk am Wochenende zurückgetreten. Einige Autohersteller hatten ihm zuvor intern vorgeworfen, die Branche in der Klimadebatte schlecht vertreten zu haben, meldete der Spiegel. Wie schon bei der Feinstaub-Diskussion habe der Präsident zu spät und zu lasch reagiert. Neben einer geplanten Anzeigenkampagne, die den Eindruck von Untätigkeit erwecke, sei auch kritisiert worden, dass Gottschalk die Interessen der Autobranche in der Sendung "Sabine Christiansen" nicht selbst vorgebracht, sondern einen Vertreter geschickt habe. Gottschalk wies die Vorwürfe zurück: "Ich habe mir keine Versäumnisse in der CO2/Hybrid-Debatte vorzuwerfen", erklärte er zu seinem Rücktritt.

Die Deutsche Umwelthilfe forderte als Reaktion einen strategischen Neuanfang des VDA: "Ein ,Weiter so wie bisher' würde den wichtigsten deutschen Industrieverband noch tiefer in die Sackgasse führen", sagte Geschäftsführer Jürgen Resch.

Unterdessen geht die Kritik an der deutschen Automobil-Industrie weiter. EU-Umweltkommissar Stavros Dimas warnte die Unternehmen davor, sich gegen die Bewegung für mehr Klimaschutz zu stellen. Die Branche werde in Zukunft keine weiteren Kompromisse bei Auflagen durchsetzen können. Gerade die deutschen Hersteller hätten wichtige Trends verschlafen, kritisierte Dimas im Spiegel: "Ich frage mich auch, wo die deutschen Ingenieure mit dieser großartigen Geschichte bleiben, um die Kraftfahrzeuge auf den modernsten Stand der Abgasreinigung zu bringen. So verdienen das Geld dann eben andere."

Zugleich stellte der Umweltkommissar weitere Vorschläge zur Senkung des Ausstoßes von Treibhausgasen vor. So soll der Flugverkehr in Zukunft in den Handel mit Emissionsrechten einbezogen werden, der für die Industrie bereits begonnen wurde. Die Ticketpreise würden dadurch steigen, etwa um 9 Euro für einen Flug innerhalb von Europa und um 40 Euro für einen Flug in die USA. Für Deutschland forderte Dimas ein Tempolimit auf allen Straßen. Dies sei aus vielen Gründen sehr sinnvoll und in den meisten EU-Staaten ebenso üblich wie in den USA, so Dimas. "Nur in Deutschland wird das merkwürdigerweise kontrovers diskutiert."

Die Forderung wurde aus Deutschland unverzüglich zurückgewiesen. Tempo 100 auf Autobahnen würde den CO2-Ausstoß nur um 0,6 Prozent senken, sagte der Sprecher des Bundesverkehrsministeriums gestern. Und auch der VDA hielt trotz Rücktritt des Präsidenten am gewohnten Ton fest: "Deutschland braucht keine Nachhilfe für effizienten Klimaschutz aus Brüssel."

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