Die jüngste diplomatische Offensive der USA in Lateinamerika kommt unbeholfen daher: Für seine Gastgeber in Brasilien und Uruguay hat George W. Bush nur warme Worte im Gepäck, aber kein einziges handelspolitisches Zugeständnis. Stattdessen werden Kolumbiens Militärs und Polizisten wie gehabt für ihren aussichtslosen Kampf gegen die Drogenmafia und die Farc-Guerilla aufgerüstet.
Bushs Beteuerungen, die USA seien gegenüber ihren Nachbarn im Süden "großzügig und mitfühlend", klingen ebenso hohl wie sein Bekenntnis zu einem "gerechten" Freihandel. Nachdem Brasilien, Argentinien und Venezuela im November 2005 das US-Projekt einer gesamtamerikanischen Freihandelszone gestoppt haben, versucht Washington dies durch bilaterale Freihandelsabkommen wettzumachen. In Zentralamerika, Kolumbien, Peru und Uruguay sollen US-Multis nach Belieben agieren können. Doch seitdem die protektionistischer eingestellten Demokraten den US-Kongress dominieren, könnte es sein, dass selbst die schon unterzeichneten Verträge nicht ratifiziert werden.
Als Bush-Antipode kann sich auch wieder einmal Venezuelas Staatschef Hugo Chávez profilieren. In gewohnt schillernder Rhetorik verspottet er den US-Präsidenten als "politische Leiche", warnt jedoch zugleich vor dem Plan Washingtons, die schwächelnde südamerikanische Wirtschaftsunion Mercosur zu spalten. Dass dieser Plan überhaupt Aussicht auf Erfolg hat, liegt vor allem am Bau zweier riesiger Zellulosefabriken in Uruguay, an dem die dortige Linksregierung auch gegen den erbitterten Widerstand Argentiniens festhält.
In gewohnter Manier versuchen die USA also, diesen Konflikt zu schüren und andere Streitigkeiten zwischen den lateinamerikanischen Nachbarn zu nutzen. Aber damit haben sie weniger Erfolg als früher: Während sie sich nach dem 11. September 2001 in ihren "Krieg gegen den Terror" verstrickten, rückten die rosaroten Regierungen des Subkontinents näher zusammen. Deshalb dürfte Bushs Versuchen, Hugo Chávez jetzt auf diplomatischem Weg zu schlagen, kaum Erfolg beschieden sein. GERHARD DILGER
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