Luise Morgenthal war eine Frau mit klarem frauenpolitischen Verstand, Gespür und Herz. Für mich als Landesfrauenbeauftragte war sie in den vergangenen Jahren eine inspirierende und verlässliche Weggefährtin.
Ihr hartnäckiger Einsatz für die Notaufnahme des Mädchenhauses war beispielhaft. Sie wollte hilfsbedürftigen und von Gewalt betroffenen Mädchen einen qualitativ hochwertigen Schutz zusichern - und keinen Deut weniger. So warmherzig und freundlich sie war, so konsequent und zäh konnte sie sein. Auch Empörung und das Gefühl der Wut gehörten in ihr Repertoire. Dadurch war sie immer so unglaublich klar. Für mich war wichtig, dass sie nicht linientreu sein wollte, wenn es ihren Überzeugungen widersprach.
Ihr hoher Respekt galt auch den Mütterzentren, die konkrete Integrationsarbeit für Migrantinnen leisten. Sie bewunderte diese Arbeit und hatte vor, sie stärker in die Öffentlichkeit zu bringen und sie - auch dem Senat - zum Modell für Integrationsarbeit zu empfehlen. Sie wollte, dass die jenseits offizieller Aufmerksamkeit gewachsenen Strukturen und Angebote von den Entscheidenden mehr gewürdigt werden.
Ihr Engagement für die Frauen im Strafvollzug, den sie als Abteilungsleiterin leitete, war vom Verständnis für die Genese der Delikte geprägt. Sie wollte für die straffällig gewordenen Frauen Bedingungen schaffen, damit sie sich selbst wertschätzen lernen, und dadurch die Grundlage dafür entwickeln, sich selbst gegenüber und für ihr Leben wieder Verantwortung zu übernehmen. Es waren häufig einfache, sehr praktikable Ideen, die sie umsetzte: nähen lernen, in einem Kursus mit dem Hausfrauenbund den Umgang mit gesunden Nahrungsmitteln üben und kochen lernen, den Umgang mit Geld erproben. Diese Frauen hatten vor ihrer Haftzeit häufig kein Geld, über das sie verfügen konnten. Sie mussten es an ihre Zuhälter abgeben und lebten von der Hand in den Mund, die meisten von ihnen drogenabhängig.
Luise Morgenthal hat viel Elend gesehen. Abgefunden hat sie sich damit nie. Sie wollte etwas bewegen, damit die Worte "Frauen" und "Gewalt" nicht so häufig in einem Atemzug genannt werden müssen. Ulrike Hauffe
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