Der designierte neue Rektor der Hochschule Bremen, Hans-Christoph Jahr, soll sein Amt nach dem Willen des Akademischen Senats (AS) der Hochschule doch lieber nicht antreten. Auf einer Sondersitzung forderte das Gremium gestern Bremens Bildungssenator Willi Lemke (SPD) auf, den ehemaligen Richter und derzeitigen Dekan der Fachhochschule Oldenburg/Ostfriesland/Wilhelmshaven nicht als Rektor zu berufen. Die Entscheidung fiel nach mehrstündiger Diskussion mit zehn gegen acht Stimmen bei zwei Enthaltungen. Erst am 13. Februar hatte dasselbe Gremium Jahr mit 13:8 Stimmen zum neuen Rektor gewählt und dem amtierenden Rektor Elmar Schreiber, der ebenfalls kandidiert hatte, eine Abfuhr erteilt. Eine offizielle Begründung für den Sinneswandel gab es nicht.
BeobachterInnen der Sitzung berichteten, die Mehrheit habe kein Vertrauen mehr in Jahr - nicht wegen seiner Vorgeschichte, sondern wegen seines Verhaltens im Verfahren. Jahr hatte der Bewerbungskommission eine längst verjährte Verurteilung wegen Rechtsbeugung verschwiegen. Man halte ihn daher für ungeeignet, eine herausgehobene hochschulpolitische Position einzunehmen, hieß es gestern. Der Jurist, der einst als "Pershing-Richter" Schlagzeilen machte, habe der Hochschule schon jetzt großen Schaden zugefügt. Jahr hätte, so hieß es, spätestens nach der Wahl die Karten auf den Tisch legen müssen - anstatt erst auf die "Enthüllungen" in der Presse zu reagieren.
Lemke ist bei seiner Entscheidung weder an das erste noch an das gestrige neue Votum des AS gebunden. Allerdings hatte er schon direkt nach Bekanntwerden der früheren Haftstrafe Jahrs dessen Berufung zum Rektor abgelehnt. Scheitert Jahr, wird die ab Juni vakante Stelle des Rektors aller Voraussicht nach neu ausgeschrieben.
Der AStA der Hochschule Bremen verteidigte Jahr. Dieser habe "alles Notwendige zum Berufungsverfahren beigetragen", seine Berufung wäre daher "korrekt", heißt es in einem Schreiben an Lemke. Auf keinen Fall aber dürfe der amtierende Rektor zum kommissarischen werden: Das erste Votum des AS sei insofern als "Misstrauensvotum" gegen diesen zu werten.
Demonstrativ hinter Jahr stellten sich die Studierenden des Fachbereichs Wirtschaft der Fachhochschule in Wilhelmshaven. Jahr habe immer gut mit den Studierenden und dem AStA zusammengearbeitet und "stets ein offenes Ohr für die Probleme seiner Studierenden" gehabt, teilten sie mit. In seinen Vorlesungen vermittele er "nicht nur Rechtswissen, sondern auch grundlegende Werte". Transparente über dem Eingang zur FH forderten "Ja zu Jahr". Der AStA rief die Studierenden auf, mit ihrer Unterschrift Solidarität zu zeigen. ARMIN SIMON
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