Die Weltmeisterschaft ist vorbei. Trotzdem befindet sich Fußball-Deutschland im Ausnahmezustand. Die Bochumer Innenstadt wird heute Abend zur Sicherheitszone erklärt. Der Grund ist das Revierderby zwischen dem VfL Bochum und Schalke 04. Die Polizei rechnet mit Ausschreitungen zwischen den Fangruppen und begründet dies mit der Tabellenkonstellation: Abstiegskampf gegen Meistertraum. Unter diesen Umständen könnten zum Ende einer Saison alle Meisterschaftsspiele zu Risikopartien erklärt werden.
KOMMENTAR VON HOLGER PAULER
Die Hysterie ist völlig unbegründet. Seit mehr als zehn Jahren gehen die Ausschreitungen in den Profiligen zurück. Jagdszenen, wie sie in den 1970er und 80er Jahren üblich waren, gibt es nicht mehr. Dennoch rüstet der Staat auf. Heute Abend werden Arbeitskollegen, Nachbarn, Freunde und Verwandte auf dem Weg zum Stadion künstlich getrennt, nur weil sie Fans verschiedener Vereine sind. Mehr als 30.000 Menschen werden wie potenzielle Kriminelle behandelt.
Dabei rühmen sich Polizei und LKA damit, dass sie die Lage im Griff haben. In der Datei Gewalttäter Sport sind mehr als 8.000 Personen gespeichert, denen der Zutritt zu Fußballspielen verwehrt wird - nicht wenigen zu Unrecht. Wozu diese Ansammlung von Namen tatsächlich gut sein soll, weiß niemand. Zur Vermeidung eventueller Ausschreitungen taugt sie jedenfalls nicht. Warum sollte die Polizei eine ganze Stadt verriegeln, wenn sie ihre Klientel im Blick hat?
Die Vorgehensweise reiht sich nahtlos in die aktuelle Sicherheitsdebatte ein. Hier wird der vermeintliche Schutz "unbescholtener Bürger" vorverlegt, um ein angebliches Höchstmaß an Sicherheit zu gewähren. In Wahrheit geht es aber um die Allmachtsfantasien zynischer Innenpolitiker und um den Ausbau eines Sicherheitsapparates. Mit Fußball hat das Ganze nichts zu tun.
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