taz: Frau von Beesten, Umweltschutz hat wieder Konjunktur. Umweltmedizin auch?
Angela von Beesten, Ärztin im Vorstand des Ökologischen Ärztebundes: Noch viel zu wenig. Dabei hat erst vor einem Jahr eine Studie der Weltgesundheitsorganisation bestätigt, dass je fast ein Viertel aller Krankheits- und Todesfälle weltweit durch vermeidbare Umweltbelastungen hervorgerufen werden! Umweltbedingungen müssen als Gesundheitsfaktor ernst genommen werden.
Woran liegt die Geringschätzung Ihrer Disziplin?
Dass sich Ärzte kritisch einmischen, ist oft nicht gewollt.
Warum? ÄrztInnen genießen doch ein eher hohes Ansehen.
Eben - vor allem in der Bevölkerung. Deswegen könnte es ja sein, dass die Leute dann tatsächlich bestimmte Produkte weniger kaufen: Mobilfunk, Atomkraft, Gentechnik, Nanotechnik. Das ist nicht im Sinne der Industrie - und die hat eine starke Lobby.
Beim Runden Tisch des Verbraucherschutzministeriums zu Grüner Gentechnik 2002 waren Sie aber dabei.
Ja - aber nicht als Vertreterin eines Ärzteverbands! Als solche habe ich keinen Zugang bekommen. Das finde ich schon ein starkes Stück: Wir Ärzte sollen Gesundheit wiederherstellen - aber man lässt uns nicht im Vorwege auf gesundheitliche Risiken hinweisen.
Wenn solche Vorsorge so wichtig ist - warum hat ihr Verband dann nur 250 Mitglieder?
Weil Ärzte nicht unbedingt zu der gesellschaftskritischsten Gruppe gehören. Ich hoffe aber, dass sich das ändert. INTERVIEW: SIM
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