VON ULRIKE HERRMANN
Erstmals in diesem Jahr ist die Zahl der Arbeitslosen unter die symbolische Grenze von 4 Millionen gesunken. Im April wurden 3.967.000 gezählt, wie die Bundesagentur für Arbeit gestern bekannt gab. Das ist der beste April-Wert seit sechs Jahren. Vor einem Jahr waren noch fast 4,8 Millionen Menschen arbeitslos. Die Arbeitslosenquote sank damit auf 9,5 Prozent. Im April 2006 lag sie bei 11,5 Prozent.
Auch ansonsten konnte die Bundesagentur von Fortschritten berichten. So stieg die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten. Im Februar waren es 26,47 Millionen - und damit 650.000 mehr als noch vor einem Jahr. Etwa 60 Prozent dieser neuen Normal-Arbeitsplätze sind Vollzeitstellen.
Gleichzeitig stieg auch die Zahl der offenen Stellen. Im April waren 651.000 Angebote bei den Arbeitsagenturen gemeldet. Allerdings hat das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung ermittelt, dass insgesamt sogar 1,37 Millionen Stellen unbesetzt sein dürften. So schätzt der Verein Deutscher Ingenieure, dass inzwischen ungefähr 22.000 Ingenieure fehlen - das entspricht fast einem ganzen Hochschuljahrgang. Die Postbank hat bereits ausgerechnet, was der Fachkräftemangel an potenzieller Wertschöpfung kostet: rund 8 Milliarden Euro.
Auch die Zahl der Selbstständigen nahm zu. 4,41 Millionen führen nun einen eigenen Betrieb - 54.000 mehr als im Vorjahr. Insgesamt rechnet die Bundesagentur damit, dass in diesem Jahr die durchschnittliche Arbeitslosenzahl zwischen 3,8 und 3,9 Millionen liegen dürfte.
Allerdings musste die Bundesagentur einräumen, dass nicht alle Gruppen vom Aufschwung profitieren. So trifft die Arbeitslosigkeit unverändert vor allem Jüngere unter 25 Jahren, Ältere ab 50 und Ausländer.
Auch die Langzeitarbeitslosen finden kaum einen Weg in den Arbeitsmarkt: Zwischen März und April haben nur 21.000 Hartz-IV-Empfänger eine neue Stelle gefunden. Trotzdem sank die Zahl der arbeitslosen Hartz-IV-Empfänger im Vergleich zum Vorjahr um stattliche 365.000. Davon ist jedoch nicht jeder auf dem Arbeitsmarkt untergekommen. Viele wurden einfach nur aus der Statistik ausgesteuert. Oder wie es die Bundesagentur offiziell ausdrückt: Es wurde eine "systematische Überprüfung des Arbeitslosenstatus von Arbeitslosengeld-II-Empfängern" vorgenommen. Sie gelten jetzt also nicht mehr als einsetzbar.
Diese Diskrepanz spiegelt sich in den offiziellen Zahlen: Insgesamt erhielten 6.291.000 Menschen Arbeitslosengeld I oder Hartz IV. Doch davon galten nur 3.397.000 als offiziell arbeitslos. Der Rest hatte einen 1-Euro-Job (262.000), nahm an einer Weiterqualifizierung teil oder betreute Kinder oder Angehörige.
Zudem verdienen immer mehr sozialversicherungspflichtige Beschäftigte so wenig, dass sie auch noch Arbeitslosengeld II beziehen müssen. Im Oktober waren es schon 602.000. Damit entwickelt sich das Arbeitslosengeld II zu einer Art Kombilohn.
Insgesamt sind momentan 39,1 Millionen Menschen in Deutschland erwerbstätig, wie das Statistische Bundesamt gestern meldete. Davon hatten allerdings 4,47 Millionen Arbeitnehmer nur eine geringfügige Beschäftigung. Aber auch Normalbeschäftigte sind oft nebenher tätig: Von ihnen hatten 1,95 Millionen einen Minijob.
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