Am vierten Verhandlungstag gegen die ehemalige Charité-Krankenschwester Irene B. sagten gestern zwei medizinische Gutachter und eine Kriminalbeamtin vor dem Landgericht als Zeugen aus. Einer der Gutachter bestätigte dabei die Tötung von fünf Patienten durch eine Medikamentenüberdosis. Die 54-jährige Krankenschwester wird des sechsfachen Mordes und zweifachen Mordversuches an Patienten beschuldigt, die sie auf der kardiologischen Intensivstation 104 i betreute.
Zunächst berichtete ein Rechtsmediziner über drei Leichen, die er kurz nach der Verhaftung der Schwester obduziert hatte. Er bescheinigte allen drei Patienten schwerste Erkrankungen, die auch ohne das Zutun der Angeklagten tödlich verlaufen wären. Die Krankenschwester soll ihre Opfer mit den blutdrucksenkenden Medikamenten Dormicum und Nitroprussidnatrium (NPN) getötet haben.
Der nächste Zeuge, ein Toxikologe, hatte 15 Todesfälle näher untersucht - jene Patienten, die zwischen 2004 bis 2006 während des Dienstes von Schwester Irene starben. In fünf Fällen fand der Toxikologe Abbauprodukte der Medikamente NPN und Dormicum und stützt damit die Anklage der Staatsanwaltschaft. Der sechste angeklagte Todesfall betrifft den damals bereits eingeäscherten 77-jährigen Gerhard A., dessen Tötung die Schwester gestand hat. Durch die Experten wurde deutlich, dass eine reguläre Obduktion keine Tötung mit Blutdrucksenkern aufdeckt. Erst durch den konkreten Verdacht konnten die Rechtsmediziner die Taten nachweisen.
Als dritte Zeugin sagte die ermittelnde Kriminalbeamtin aus, die Irene B. am 4. Oktober 2006 festgenommen hatte. Sie berichtete, dass B. kurz nach ihrer Festnahme alle Vorwürfe abgestritten hatte. Dann sei sie zusammengebrochen, habe geweint und gesagt, ihr Leben sei nun zu Ende. Noch während der ersten Vernehmung habe sie zwei Tötungen gestanden, einen Monat später zwei weitere. "Dieses entsetzliche Elend", soll B. gesagt haben und wählte die Worte: Ich habe die Todkranken sanft ganz woandershin gebracht. Es täte ihr leid, aber bereuen würde sie ihre Taten nicht. Sie würde es wieder tun. UTA FALCK
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