"Haben wir gegen die Ost-Mafia dann endlich eine Chance?", hieß es in der Bild-Zeitung pseudofragend, immer noch Krokodilstränen über den 19. Platz für Roger Cicero beim Eurovision Song Contest in Helsinki vergießend.
Davon abgesehen, dass keine Mafia am Werk war, sondern televotierende Länder, die sich durch die Bank fast gar nicht für den deutschen Swingmusiker interessierten, vielmehr mit diesem Vokabular antiosteuropäische Hetze betrieben wird, sprach das Blatt von Regeländerungen beim Festival, die schon verabredet seien.
Alles Unfug. Erstens können, nach Auskunft der Eurovisionszentrale in Genf, Wechsel der Regularien erst mindestens ein Jahr nach ihrem Beschluss in Kraft gesetzt werden. Zweitens seien nur leichte Korrekturen geplant - ein zweites Halbfinale, bei dem nicht alle osteuropäischen Länder in einem Tableau landen. In der Bild-Zeitung stand allerdings auch ein echter Quatschvorschlag: Deutschland solle seiner Einwohnerzahl gemäß Punkte verteilen dürfen - nicht mehr nur so viele (oder wenige) wie Andorra, Mazedonien oder Armenien. Blöde nur: Diese mit Geldentzug drapierte Drohung, einer Herrenmenschenmentalität ähnlich, hätte aber bedeutet, dass Roger Cicero sogar nur 23. (von 24 Ländern) geworden wäre. Deutschland hat nämlich aus den großen Ländern gar keine Punkte erhalten - Russland, der Türkei oder Frankreich. Wie wäre es so: Die Bild-Zeitung bestimmt eine Eurovisionsjury - und droht mit Blitzkrieg, falls die nicht pariert. JAF
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