• 29.05.2007

SEEHOFER-BEHÖRDE FÖRDERT ALLZU TRICKREICH GRÜNE GENTECHNIK

Kartoffel-Experimente

Es ist eine elende Trickserei: Die Europäische Zulassungsstelle für Gentechpflanzen hat Sicherheitsbedenken gegen den Anbau einer gentechnisch veränderten Kartoffel und stellt deswegen den Antrag von BASF zurück. Während in Brüssel längst noch nicht klar ist, wie die Entscheidung um die Amflora-Kartoffel ausfallen wird, erlaubt das dem Bundeslandwirtschaftsminister Horst Seehofer unterstellte Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) den großflächigen Anbau genau dieser Kartoffeln.

Es erlaubt nicht, die Kartoffeln weiterzuverarbeiten. Doch mit der erteilten Genehmigung für den experimentellen Anbau stellt die Seehofer-Behörde klar, dass sie die in Brüssel vorgebrachten Bedenken für Geschwafel hält. Zumal der Antrag der BASF ausdrücklich eine vorgezogene, nur noch nicht ganz vollständige Vermarktungsgenehmigung fordert.

Die europäische Freisetzungsrichtlinie wird durch das Vorpreschen des BVL zur Makulatur. Um die Risiken von Gentechfreisetzungen zu minimieren, sieht die Richtlinie ein sogenanntes Step-by-step-Verfahren vor. Gentechpflanzen sollen zuerst im Gewächshaus getestet werden, dann kontrolliert auf kleinen Flächen im Freiland. Erst wenn sich zeigt, dass die Risiken vertretbar sind, kann ein kommerzieller Anbau auf großer Fläche erwogen werden. So weit die Theorie.

Die vom BVL erteilte Amflora-Genehmigung ist damit nicht in Einklang zu bringen. Der kommerzielle Anbau der Knolle wird unter dem Deckmantel eines Experiments genehmigt. Diesen Trick hatte ein niederländisches Unternehmen vor einigen Jahren schon einmal versucht. Auch hier spielte die zuständige nationale Zulassungsstelle mit. Doch die EU-Kommission kassierte den Genehmigungsbescheid ein. Ob Brüssel sich diesmal vors Schienbein treten lässt, bleibt abzuwarten. Nicht auszuschließen ist aber auch, dass die EU-Kommission sich heimlich über den BVL-Bescheid freut. Denn ihr geht das mit der grünen Gentechnologie eigentlich auch viel zu langsam voran.

WOLFGANG LÖHR

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