BERLIN dpa
Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) hat die "Organspende-Show" im niederländischen Fernsehen scharf verurteilt. "Ich halte das für makaber und auch für eine wirkliche Missachtung der Würde eines Kranken", sagte sie gestern am Rande des Jahreskongresses der Deutschen Stiftung Organtransplantation. "Hier wird immerhin mit Leben und Tod gehandelt. Hier geht es um Geld und nicht, wie vorgegeben wird, um Werben für Organspenden."
Von Freitagabend an sollten im niederländischen Fernsehen drei Kandidaten um die Niere einer todkranken Frau wetteifern. "Ich bin froh, dass die gesetzliche Regelung in Deutschland so etwas verbieten würde", sagte Schmidt. "Das zeigt, dass wir ein gutes Transplantationsgesetz haben."
Die Ministerin warb außerdem für mehr Organspenden. "Ich habe einen Organspendeausweis und ich kann immer nur sagen: "Wenn du möchtest, dass im Falle eines Falles auch ein Organ für dich da ist, dann musst du auch selber bereit sein, Spender zu sein."
Auch der Präsident der Bundesärztekammer, Jörg-Dietrich Hoppe, prangerte gestern die "Spendershow" mit scharfen Worten an. "Diese Sendung ist das makabere Spiel um menschliche Not einer moralisch völlig verkommenen Medienagentur", sagte er. Nötig sei ein europäischer Wertekonsens, um "diese unwürdige Zurschaustellung menschlichen Elends" zu verhindern.
Die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) und der Ärzteverband Marburger Bund wollen die Bevölkerung besser aufklären, um mehr Spenden zu erreichen. Die DSO kündigte für den Herbst den Start einer bundesweiten Informationskampagne an.
Die Zahl der Transplantationen von Herz, Niere, Leber, Bauchspeicheldrüse oder Lunge stieg in Deutschland im vergangenen Jahr zwar erstmals auf über 4.000. Allerdings warten immer noch fast 12.000 Menschen auf ein neues Organ. Jeden Tag sterben drei Menschen, weil sie nicht rechtzeitig ein Spenderorgan erhalten.
Forderungen nach einer Gesetzesänderung zur Erhöhung der Spenderzahlen lehnen die Verbände ab. Zunächst müssten die bestehenden gesetzlichen Regelungen konsequenter ausgeschöpft werden. Allein durch eine Steigerung der Meldungen in den Krankenhäusern könnte die Anzahl der Spenden in Deutschland nahezu verdoppelt werden. Heute wird bundesweit der Tag der Organspende begangen.
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