• 07.06.2007

Las Vegas ist nicht Heiligendamm

Der Coup glückt, der Film nicht ganz: Zum dritten Mal lässt Steven Soderbergh Danny Ocean (George Clooney) und dessen lässiges Team antreten. In "Ocean's 13" trickst es einen Hochleistungscomputer mit perfektem Sicherheitssystem aus

VON DIETMAR KAMMERER

Die Macht der Drei. Ob Shrek, der Spider-Man oder Jack Sparrow: In diesem Blockbuster-Sommer kommen sie alle zu ihrem dritten Leinwand-Auftritt. Genauso Danny Ocean, zumindest wenn man das Original mit Frank Sinatra nicht einrechnet. Bislang 236 Filmminuten hat Steven Soderbergh Las Vegas als einen Ort vorgeführt, an dem die deprimierende Wirklichkeit der Spielhöllen vorübergehend dem Spieltrieb einer Horde von Trickstern weichen musste. Soderberghs Talent lag in der ironisch-lässigen Haltung, mit der er eine mit Starpower proppenvolle Extravaganza wie ein kurzweiliges Lausbubenstück aussehen ließ. Ein mit allen Wassern gewaschenes, knappes Dutzend zeigt der kühl kalkulierenden Glücksspiel-Industrie, was ein echter Spaß ist. Falscher Prunk unterliegt eleganter Smartness. Die eigentliche Bedrohung in solch einem hedonistischen Projekt kommt nicht von außen, sondern von innen: Schließlich könnte allzu viel Masterminding durchaus in Arbeit ausarten. Folgte der erste Teil noch ganz der potenziell schweißtreibenden Logik des klassischen Heist-Movie - Zielvorgabe, Hindernisse, Überwindung mit List und Tücke, rascher Abgang -, schaltete der Nachfolger "Ocean's 12" einige Gänge herunter, gab sich über weite Strecken als entspannte Komödie der Missgeschicke und feuerte lauter Blendraketen ab, von denen die meisten dem Zuschauer galten. Natürlich standen Clooney & Co. am Ende erneut als Sieger fest.

Jetzt also "Ocean's 13". Dreizehn, die Unglückszahl. Dramaturgisch liegt die dritte Auflage irgendwo zwischen den ersten beiden. Wieder bekommen wir ein gut geöltes Räderwerk zu sehen, das mit Routine und Witz Hindernisse beiseite räumt. Aber ganz von Rückschlägen verschont bleibt das Vorhaben nicht. Immerhin muss mit Terry Benedict (Andy Garcia) ausgerechnet der Kontrahent des vorigen Teils als 13. Mitglied mit ins Boot genommen werden. Der neue Gegenspieler heißt Willy Bank (Al Pacino), besitzt mehrere preisgekönte Hotels und hat den Fehler begangen, Oceans Freund Reuben Tishkoff (Elliott Gould) derart über den Tisch zu ziehen, dass dieser mit einem Herzinfarkt im Krankenbett gelandet ist. Der Racheplan gegen Bank (ja, der Name ist ein Wortspiel) soll beim Patienten therapeutische Wirkung entfalten - einen merkwürdigeren Anlass für einen Casino-Beutezug kann man sich kaum denken. Ansonsten setzt der Film auf Bewährtes: Die Kamera schwelgt in luxuriösen Inneneinrichtungen, die Schauspieler üben sich in lockeren Attitüden, und David Holmes steuert den Soundtrack bei.

Wie es sich für Fortsetzungen gehört, sind die Hürden allemal höher gesetzt. Eine besonders harte Nuss stellt das vollautomatisierte Sicherheitssystem in Banks Casino dar. Den mehrfach geschützten Hochleistungscomputer, der in Echtzeit die biometrischen Daten sämtlicher Spieler misst, um an der Herzfrequenz abzulesen, ob einer betrügt, würde auch Wolfgang Schäuble sofort auf den Bestellzettel setzen. Lügendetektoren kann man mit einer Reißzwecke überlisten, dieses Monstrum nicht - und das ist auch gar nicht nötig. Denn jedes perfekte System, so viel lernt man in "Ocean's 13" übers wahre Leben, lässt sich gegen die wenden, die sich davon in falscher Sicherheit wiegen lassen.

In diesem Austricksen von aktuellen Kontrolltechnologien entwickelt der Film eine denkwürdige Dynamik: Die kreativ-kriminelle Energie, die von ihm gefeiert wird, würde in gegenwärtiger Politik umstandslos als terroristisch verurteilt und mit aller Härte verfolgt. Immerhin kam im Vorgängerfilm bereits ein künstlich erzeugter Atomblitz zum Einsatz, der die Stromversorgung eines Stadtviertels lahmlegte. Nun wird durch Erdbebenstöße ein Hochhaus beinahe zum Einsturz gebracht. Man müsste sich nur einmal vorstellen, was los wäre, würden Danny Ocean und seine Crew beschließen, den Gipfel in Heiligendamm platzen zu lassen.

Aber das ist Hollywood - man weiß, wie weit man gehen darf. Das gilt auch in der Logik des Films: Das Hochhaus schwankt, aber es fällt nicht. Willy Bank mag viel Geld verloren haben, aber die nichts ahnenden Glückspilze - Oceans Coup besteht darin, sämtliche Casinobesucher zu Gewinnern zu machen - werden ihr Geld gewiss bald zum nächsten Spieltisch tragen, um es dort wieder zu loszuwerden. Robin Hood kann in Las Vegas nichts ausrichten. Immerhin ahnt der Film, dass es eine Welt da draußen gibt: In einer Nebenhandlung vergessen zwei der 13 ihren Auftrag, um gegen die Arbeitsbedingungen einer Spielwürfelfabrik in Mexiko einen Streik loszutreten. Einen Moment lang wirkt das, als hätten sich Szenen aus "Traffic" in Soderberghs Glamour-Film verirrt. Aber nur ganz kurz, dann ist der Spuk schon wieder vorbei.

"Ocean's Thirteen". Regie: Steven Soderbergh. Mit George Clooney, Brad Pitt u. a., USA 2007, 122 Min.

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