Als radikalökologischer Energieminister Ecuadors sorgte er für Aufsehen. Bergbau- und Erdölkonzernen, aber auch Wachstumsfanatikern in der eigenen Regierung war er ein Ärgernis. Nun soll er das politische Projekt des linken, seit Januar amtierenden Präsidenten Rafael Correa zu einer wichtigen Zwischenstation führen: Als Spitzenkandidat der Regierungsliste tritt Alberto Acosta am 30. September zu den Wahlen für die Verfassunggebende Versammlung Ecuadors an - sein Amt als Energieminister hat er dafür aufgegeben. Eigentlich schien der 58-Jährige als Spross einer weißen Oberschichtfamilie aus Quito eher für eine konventionelle Karriere prädestiniert: Der Großvater und ein Onkel gehörten zum Führungspersonal der Traditionsbank Pichincha. Doch bevor die Welle der lateinamerikanischen Militärdiktaturen 1972 Ecuador erreichte, zog Alberto Acosta nach Köln. Dort studierte er Wirtschaftswissenschaften und betätigte sich nebenher als Fahrer, Übersetzer und ehrenamtlicher Vizekonsul. Er heiratete eine Tochter des Botschafters und 1979, zum Ende des Militärregimes in seiner Heimat, schloss er sein Aufbaustudium ab.
Nach seiner Rückkehr arbeitete er als Akademiker, Energieconsultant und Marketingchef der staatlichen Erdölfirma Petroecuador im Amazonasgebiet. Damals war er noch ganz dem Fortschrittsglauben verpflichtet. Doch bald lernte der Linksintellektuelle die Weltsicht der Ureinwohner kennen, und bei den Parlamentswahlen 1997 trat er für die Indígena-Bewegung Pachakutik an. Den gleichgesinnten Kollegen Rafael Correa lernte er in einem alternativen Forschungszentrum kennen und schätzen. Seit 2006 gehört er zu den engsten Mitstreitern Correas. Furore machte Acosta mit seiner Idee, auf die Förderung reichhaltiger Ölvorkommen im Amazonas-Nationalpark Yasuní zu verzichten (www.amazoniaporlavida.org, die taz berichtete). Im Gegenzug soll die internationale Gemeinschaft 350 Millionen Dollar im Jahr aufbringen. Vor zwei Wochen startete der Präsident die ungewöhnliche Klimaschutz-Kampagne.
Auch wenn sich Acostas Rückzug aus dem Energieministerium bereits in steigenden Aktienkursen für Bergbaumultis niederschlug, einen Kurswechsel bedeute das noch nicht, versichert er. Seine neue Aufgabe gehe auf eine "kollektive politische Entscheidung" zurück. "Eine neue Verfassung ist unverzichtbar, um den korrupten und autoritären Erdölstaat zu überwinden und den Einstieg in ein Post-Erdöl-Zeitalter zu vollziehen", bekräftigt Alberto Acosta: "Ich habe mich unserem politischen Projekt verschrieben und, solange die Grundrichtung stimmt, bleibe ich dabei." GERHARD DILGER
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