In der vergangenen Woche erreichte uns ein Schreiben der Hamburger Anwaltskanzlei Kamin & Wilke. Darin wird uns mitgeteilt, dass die Kanzlei einen gewissen Anis Mohamed Ferchichi vertrete, besser bekannt unter seinem Künstlernamen "Bushido". Den Rap-Musiker Bushido hatte die Wahrheit vor Kurzem zur "Gurke des Tages" erklärt, weil er immer öfter auf dem Cover des "Petting-Magazins Bravo" auftaucht. Offenbar ist das die richtige Zielgruppe für den angeblich so harten Jungen Bushido: als Feuchtertraumspender für kleine Mädchen.
Dem Brief lag eine sogenannte Unterlassungsverpflichtungserklärung bei, nach der wir uns bis zum "15. 06. 2007, 15:00 Uhr, hier eingehend", gegenüber "Herrn Anis Mohamed Ferchichi (Künstlername ,Bushido')" verpflichten sollten, nicht mehr zu behaupten und/oder zu verbreiten, "der Künstler Bushido sei ,ein furzlangweiliger Kacker' und ,eine Dumpfbacke'".
Noch nie haben Wahrheit-Redakteure eine Unterlassungsverpflichtungserklärung unterschrieben. Wozu auch? Was einmal auf der Seite geschrieben ist, ist geschrieben. Und wer die Wahrheit gern verklagen möchte, der soll es bitte schön tun, aber sollte auch wissen, dass er schlechte Karten hat. Erinnert sei hier nur an zwei Fälle: den Penis-Prozess gegen den Bild-Chefredakteur Kai Diekmann, dem die Wahrheit in einer Parodie auf die Artikel des Blut-und-Sperma-Blattes eine Penisverlängerung andichtete. Der Bild-Chefredakteur erklärte später, dass es sein größter Fehler gewesen sei, die Wahrheit zu verklagen und sich damit endgültig der Lächerlichkeit preiszugeben.
Auch Lech und Jaroslaw Kaczynski haben schlechte Erfahrungen mit der Wahrheit gemacht. Im vergangenen Sommer wurden die Zwillinge an der polnischen Staatsspitze in einer Wahrheit-Satire als "Schurken" und "Kartoffeln" bezeichnet. Das humorfreie Gemüse machte sich in aller Welt zum Gespött, weil es ein Eingreifen der Bundesregierung forderte und sogar diplomatische Verstimmungen zwischen Berlin und Warschau heraufbeschwor. Erst vor ein paar Tagen erreichte uns ein Schreiben der Staatsanwaltschaft Warschau, die uns mitteilte, dass sie jetzt ein Verfahren wegen "der öffentlichen Beleidigung des Präsidenten der Republik Polen" eröffnet hat. Ein Jahr danach! Die Mühlen der polnischen Justiz mahlen besonders langsam.
Bushido ist also in bester Gesellschaft und könnte zur Gurke des Jahres werden. Dafür bringt er alle Vorausetzungen mit, stimmt doch an seinem Image als Gangsta-Rapper aus der Berliner Halbwelt rein gar nichts. Tatsächlich stammt Anis Ferchichi aus dem verpupten Reihenhausbezirk Tempelhof, was man seiner halbseidenen Musik auch anmerkt, die wie gemacht ist für pubertierende Reihenhaus-Uschis. Gern wird er deshalb auch von qualitativ hochwertigeren Branchenkollegen "gedisst", wie das beleidigende Niedermachen unter Rappern genannt wird. Auch darauf war die "Gurke des Tages" eine Parodie. Solch eine satirische Kunstform zu erkennen, ist der Künstler Bushido offenbar nicht in der Lage. Lieber schickt der Kinder-Gangsta die Herren im Nadelstreifenanzug vor. Allein deshalb ist und bleibt Bushido eine Dumpfbacke und ein furzlangweiliger Kacker.
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