Die Nachricht in der taz am Samstag sorgte für Aufregung im Osnabrücker Land. Der Bahnhof Melle - ein zukünftiger Treffpunkt für den rechtsextremen Juristen Jürgen Rieger und seine Konsorten? NPD-Fahnen als Willkommensgruß für Bahnreisende? Gestern ruderte Rieger zurück. Er habe kein Interesse mehr.
Bekanntgegeben wurde die Nachricht bei der Pressekonferenz des Meller Bürgermeisters André Berghegger (CDU): Als Rieger erfahren habe, dass die Stadt den Bahnhof für 350.000 Euro nicht habe kaufen wollen, sei er von seinem Vorhaben abgerückt, sagte Berghegger. Der jetzige Besitzer des Bahnhofs, der Makler Carl Schimweg, hatte behauptet, Rieger wolle für die Immobilie 800.000 Euro bezahlen.
Bürgermeister Berghegger mochte nicht ausschließen, dass Riegers Rückzieher nur ein weiterer Winkelzug der NPD sei. Doch zunächst sei dies ein "durchschlagender Erfolg". Ein Grund für den glimpflichen Ausgang der Geschichte sei die vor allem von Jugendlichen getragene Bürgerinitiative, die sich in Windeseile gegründet hatte. Bereits am Sonntagmorgen, einen Tag nach Bekanntwerden der Kaufabsichten Riegers, sei sie inklusive Internet-Präsenz (www.Melle-gegen-Nazis.de.vu) gestartet, bis Sonntagabend seien vor dem Bahnhof mehrere hundert Unterschriften gesammelt worden. Bis gestern Mittag hatten rund 950 Bürger unterschrieben. 300 zogen gestern bei einem Demonstrationszug durch die Meller Innenstadt.
Sie habe von Riegers Plänen durch das Internet erfahren, berichtet Alexandra Namyslowski von der Bürgerinitiative. Überall, wo sie am Sonntagnachmittag hinkamen, seien sie auf großen Zuspruch und Solidarität gestoßen. Abends kam es dann zu einer ersten, spontanen Demo vor dem Meller Bahnhof, bei der auch drei vor Ort als rechtsextrem bekannte Jugendliche gesehen wurden.
Trotzdem gebe es im Meller Stadtgebiet keine rechte Szene. Es seien lediglich "vereinzelt Personen bekannt", die mit Nazis sympathisieren, sagte Georg Linke aus den Reihen des Polizeikommissariats gestern. Zuvor hatte Bürgermeister Berghegger bekräftigt, dass die Stadt nicht erpressbar sei. Sie hätte zwar grundsätzlich ein Kaufinteresse an dem Objekt, doch ausschließlich zu einem realistischen Preis.
Die Fraktionsvorsitzenden der vier im Stadtrat vertretenden Parteien stehen hinter dem Bürgermeister. "Wir lassen uns nicht abzocken", so Alfred Reehuis von Bündnis 90/Die Grünen. effe
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