BERLIN taz | Sturmtief "Xynthia" wird Europas größten Versicherungskonzern vermutlich bis zu 300 Millionen Euro kosten. Wie die Allianz am Donnerstag mitteilte, hat der Wintersturm, der am vergangenen Wochenende über West- und Mitteleuropa tobte, Schäden in Höhe von 3 Milliarden Euro angerichtet.
"Emma", "Paula" "Kyrill" - "Xynthia" reiht sich nahtlos in die Liste von Winterstürmen ein, die in den letzten zehn Jahren in Europa wüteten. Mit solch extremen Wetterereignissen befasst sich seit diesem Donnerstag der Extremwetterkongress in Bremerhafen, der zum fünften Mal Klimatologen, Meteorologen und Praktiker wie Katastrophenschützer oder die Versicherungswirtschaft zusammenbringt. 800 Experten diskutieren bis Samstag, was auf die Menschen zukommt - und wie man sich am besten darauf einrichtet.
"Die weltweit erhobenen Wetterdaten zeigen, dass der Januar 2010 einer der wärmsten war, den es je seit Beginn der Temperaturaufzeichnungen gab", erklärt Uwe Ulbrich, Direktor des Instituts für Meteorologie an der Freien Universität Berlin. Und aus der steigenden Globaltemperatur ergäben sich steigende Gefahren: "Warme Luft ist in der Lage, mehr Wasser zu speichern, und Wasser ist ein Träger der Energie." Mehr gespeicherte Energie bedeutet wiederum eine erhöhte Zerstörungskraft. "Im Mittel zeigen unsere Modellrechnungen, dass wir - eine steigende Erderwärmung zugrunde gelegt - künftig mit 30 Prozent mehr Schäden in Mitteleuropa rechnen müssen", so der Berliner Sturmwissenschaftler. Es müsse sich ein Bewusstsein dafür entwickeln, dass eine Anpassung an Klimaänderungen wichtig ist.
Besonders die Städte werden unter zunehmenden Extremen leiden. So werde etwa die Zahl der Tage mit Temperaturen über 25 Grad Celsius den Prognosen zufolge in den Metropolen deutlich steigen, sagte Paul Becker vom Vorstand des Deutschen Wetterdienstes. Zugleich würden die Städte nachts weniger abkühlen, was sich gesundheitlich auf die Bewohner auswirke. Beckers Schluss: Da die Hälfte der Deutschen in Städten lebe, müssten diese unbedingt mehr für den Klimaschutz tun, aus eigenem Interesse.
NICK REIMER
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