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  • 25.07.2012

KOMMENTAR VON NICOLA LIEBERT ZUR LAGE DER NATION

Und die Börse gähnt

Immer wieder haben die Ratingagenturen die Kreditwürdigkeit von sogenannten Krisenländern gesenkt und auf den Finanzmärkten damit eher Gähnen als Panik ausgelöst. Denn mit ihrer Bewertung haben sie nur nachvollzogen, was alle eh schon wussten. So ähnlich ist es nun auch mit Deutschland. Die Bonität des deutschen Staates sei nicht mehr über jeden Zweifel erhaben, findet die Ratingagentur Moody's. Ach was. Erneut verkneifen sich die Anleger ein Gähnen. Das Urteil hatten sie wegen der neuesten Spekulationen über den Zerfall der Eurozone längst vorweggenommen und den Deutschen Aktienindex (DAX) am Montag um 3 Prozent abstürzen lassen.

Denn für diese Erkenntnis braucht es keine Ratingagentur: Man kann nicht einerseits die Währungsunion, von der vor allem die deutschen Exporteure profitieren, kaputtsparen - und andererseits erwarten, dass das keine Auswirkungen auf die hiesige Wirtschaft und damit auch auf den Staatshaushalt hat. Denn erzielen die Unternehmen Gewinne und bieten vielen Menschen Arbeit, steigen auch die Steuereinnahmen. Umgekehrt drohen bei Rückschlägen höhere Defizite.

Und diese Rückschläge werden kommen. Das zeigt zum Beispiel die neueste Umfrage unter Einkaufsmanagern deutscher Industriebetriebe. Diese fuhren nun den vierten Monat in Folge ihre Produktion zurück. Wer soll die ganzen Produkte auch kaufen? Mehr als die Hälfte der deutschen Wirtschaftsleistung wird durch Außenhandel bestritten. 40 Prozent der Exporte gehen in andere Eurostaaten, denen zunehmend das Geld ausgeht. Aber auch andere Handelspartner sind von der Krise betroffen und kaufen weniger Waren aus Deutschland.

Trotzdem hat der deutsche Staat erst mal nicht viel zu befürchten. Derzeit kann er sich Geld praktisch umsonst leihen. Und selbst wenn der deutsche Hafen als nicht mehr ganz so bombensicher gelten sollte - mangels anderer sicherer Häfen werden Anleger auch künftig deutsche Staatsanleihen kaufen und dafür geringe Zinsen hinnehmen.

Und weil das so ist, schert sich die Bundesregierung einen Dreck um die Warnungen von Moody's und Co. und riskiert weiterhin das Auseinanderbrechen der Eurozone. Schießen dann irgendwann Erwerbslosigkeit und Haushaltsdefizite in die Höhe, wird sie behaupten, das sei alles irgendwie konjunkturell bedingt. Da könne die Politik nun wirklich nichts dafür.

Moody's wird Merkel nicht davon abhalten, weiter die Eurozone kaputtzusparen

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