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  • 27.06.2012

Löcher in 0,4 Zähnen

GESUNDHEIT Kitakinder haben ein gesünderes Gebiss als noch in den Vorjahren. Allerdings sind die Unterschiede zwischen den Bezirken groß - am besten schneidet Pankow ab, am schlechtesten Reinickendorf

VON MIRIAM HAUFT

Gesundheitssenator Mario Czaja (CDU) steht im Badezimmer der Kreuzberger Kita Löwenzahn und putzt sich die Zähne. Neben ihm winkt ein mannshohes grünes Plüschkrokodil mit einer überdimensionalen Zahnbürste. Der Schauspieler, der im Kostüm von "Kroko" steckt, bringt einer Gruppe von Dreijährigen gerade bei, sich richtig die Zähne zu putzen. Der Gesundheitssenator will offenbar auch etwas lernen.

Weiter verbessert

Kurz zuvor hat er den wartenden Journalisten den neuen Bericht zur "Mundgesundheit Berliner Kinder und Jugendlicher im Schuljahr 2010/2011" vorgestellt. Aus dem geht insbesondere hervor, dass sich die Zahngesundheit der Berliner Kitakinder in den vergangenen Jahren kontinuierlich verbessert hat. Demnach hatten rund 81 Prozent der knapp 11.000 untersuchten Dreijährigen ein kariesfreies Gebiss. Im Vorjahr waren es noch rund 76 Prozent. Innerhalb der Bezirke schwanken diese Zahlen jedoch deutlich.

In Pankow sind knapp 89 Prozent der Kitakinder kariesfrei, in Reinickendorf haben nur 56 Prozent ein gesundes Gebiss. Auch die Schwere der Karieserkrankungen unterscheidet sich: Die Pankower Dreijährigen mit Karies haben im Durchschnitt nur in 0,4 Zähnen ein Loch. In Neukölln haben die betroffenen Kitakinder dagegen im Schnitt 1,4 kaputte Zähne im Mund. Eine Erklärung, warum die Bezirke so unterschiedlich abschneiden, könne neben sozialen Unterschieden auch sein, so Czaja, dass die Zahnärztlichen Dienste der Bezirke mit verschieden hohen Mitteln ausgestattet sind und deshalb zum Teil nur Kitas in Brennpunkten aufsuchen können.

Die Daten werden jährlich durch die Zahnärztlichen Dienste der Bezirke erhoben. Unterstützt werden sie dabei von der Landesarbeitsgemeinschaft zur Verhütung von Zahnerkrankungen (LAG), einer Vereinigung, der das Land Berlin, die gesetzlichen Krankenkassen und die Zahnärztekammer angehören. LAG und Zahnärztliche Dienste gehen direkt in Schulen und Kitas, untersuchen Kinder und bringen ihnen bei, ihre Zähne korrekt zu putzen.

"Wir müssen Eltern und Kinder früh für Zahnhygiene sensibilisieren", sagt Czaja. Viele Eltern würden die Milchzähne für nicht so wichtig halten, da diese ja sowieso ausfallen. Für die bleibenden Zähne könnte es damit aber bereits zu spät sein, weil sich Putz- und Ernährungsgewohnheiten eingeschliffen hätten. Man müsse den Eltern beibringen, sagt Inis Adloff, Koordinatorin der Zahnärztlichen Dienste, "was in Sachen Zahngesundheit ihr Job ist": Den Kindern regelmäßig die Zähne zu putzen.

"Die Zahlen zeigen, dass sich unsere Maßnahmen bewährt haben", sagt Czaja. Damit meint er beispielsweise die Einführung des Kinderzahnpasses im Jahr 2009, den seither alle Eltern bekommen. Der Pass wird in das gelbe Untersuchungsheft eingeklebt, das auch die kinderärztlichen Vorsorgeuntersuchungen dokumentiert. So sollen Eltern von Geburt an daran erinnert werden, die Entwicklung der Milchzähne und des Kiefers ihres Kindes überprüfen zu lassen.

Besonders erfolgreich im Sinne der Vorsorge, sagt Czaja, seien seiner Erfahrung nach öffentlichkeitswirksame Putzaktionen etwa bei Schulfesten. In der Kita geht er schon mal mit gutem Beispiel voran. Plüschkrokodil Kroko grinst breit mit mindestens 52 kerngesunden Zähnen.

Der Kinderzahnpass, den es seit 2009 gibt, habe sich bewährt, so Gesundheitssenator Mario Czaja

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