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  • 16.02.2012

Beratungsresistenz sorgt für Psychostress

MÄNNER Fast Food und Hektik machen krank. Ein Internetportal will Männern helfen, gesund zu leben

BERLIN taz | Ein Drittel der Männer gibt zu, an psychischen Erkrankungen zu leiden - 70 Prozent schätzen ihren seelischen und körperlichen Zustand also als gut ein, hat die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) herausgefunden.

Doch die Zahlen geben die Realität nicht richtig wieder: Männer offenbaren oft nicht, dass es ihnen nicht gutgehe, sagte Elisabeth Pott, BZgA-Direktorin am Mittwoch bei der Vorstellung des Internetportals "Männergesundheit" und der Broschüre "Männer in Bewegung" des Bundesgesundheitsministeriums. Die Zahl psychisch leidender Männer dürfte also höher liegen.

Viele gingen deswegen aber nicht zum Arzt. Sondern erst dann, wenn Herz, Kreislauf oder Magen nicht mehr mitmachten, sagte Ingo Froböse. "Männer definieren sich hauptsächlich über Leistungsfähigkeit und Leistungsbereitschaft", so der Professor der Sporthochschule Köln. Daher akzeptierten sie zwar Herzbeschwerden als "Leistungskrankheit". Psychische Erkrankungen betrachteten sie aber als Leistungsschwäche.

Viele Männer bewegen sich zu wenig, essen ungesund, setzen sich unkontrolliert Stress aus, trinken und rauchen. Das führt dazu, dass sie im Schnitt mit 77,5 Jahren fünf Jahre früher sterben als Frauen. Die achten ohnehin mehr auf ihre Gesundheit. Nicht wenige Männer gönnten sich kaum Ruhe und Erholung, warnte Froböse. Der Grund dafür sei auch hier die Angst, Schwäche zu zeigen.

Nur knapp ein Viertel der Männer treibt regelmäßig Sport, hat das Robert-Koch-Institut in Berlin herausgefunden. Vor allem 30- bis 49-Jährige verzichteten wegen des intensiven Karriere- und Familienaufbaus in dieser Zeit zumeist darauf. Viele sogar vollständig, auch wenn sie früher recht aktiv waren.

Was raten die Experten? Regelmäßig Sport treiben, wenig Stress, auf die richtige Ernährung achten. Froböse weiß: Dann geht es Männern auch seelisch besser. Das ist alles nicht neu. Aber offensichtlich scheinen Männer beratungsresistent zu sein. Im Presseraum saßen am Mittwoch überwiegend Frauen, manche steckten die Broschüre ein. Für ihre Männer.

SIMONE SCHMOLLACK

Vor allem 30- bis 49-Jährige verzichten wegen Karriere und Familie auf Sport

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