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  • 10.08.2009

Aufsteiger in Bedrängnis

HEIMNIEDERLAGE Der 1. FC Nürnberg ist zurück in der Bundelsliga - mit einem Trainer, den das Land nicht kennt, und mit einem Kader, der Fußball spielen will. Noch fehlt dem jungen Team die Abgeklärtheit

NÜRNBERG taz | Über den Trainer des 1. FC Nürnberg wissen außerhalb von Franken viele nur, dass er seine Haare etwas länger trägt, gut und gern Klavier spielt und mit seinem Verein ziemlich überraschend aufgestiegen ist. Dabei hat der Trainer-Nobody jahrelang bei renommierten Arbeitgebern im Nachwuchsbereich gearbeitet. Und Michael Oenning hat aus seiner Arbeit eine Grundüberzeugung ins Profigeschäft herübergerettet: die, dass man Talente am besten dadurch fördert, dass man sie über einen längeren Zeitraum spielen lässt. Ganz bewusst hat man beim "Club" vor der Saison deshalb auf teure Neuzugänge verzichtet, die Stammplätze sollen junge Spieler behalten. Spieler wie Dennis Diekmeier (19) oder Mittelfeldmann Ilkay Gündogan (18) stehen jedenfalls nicht häufig in der Startformation, wenn ein Aufsteiger im ersten Saisonspiel auf einen Club wie Schalke 04 trifft.

Diekmeier war dann auch einer der stärksten Nürnberger. Insgesamt sechsmal leitete der erstaunlich mutige Rechtsverteidiger allein in der ersten Hälfte Angriffe ein. Bei seinen Märschen Richtung Grundlinie wurde er jedoch meist nur recht alibihaft von der Schalker Defensive gestört. "Was er gezeigt hat, war schon mehr als etwas Besonderes", freute sich Oenning nach dem Spiel.

Allein die Effizienz ließ zu wünschen übrig, wie nach dem Spiel alle Club-Angestellten, die vors Mikro traten, bestätigten. In der 22. Minute vergab Christian Eigler die erste Chance für die Platzherren. Kurz darauf strich ein Kopfball von Innenverteidiger Dominic Maroh nur um Millimeter am Tor vorbei. Und auch in der zweiten Hälfte wurde manch viel versprechender Angriff fahrig zu Ende gespielt (Eigler/58., Charisteas/78.): "Unser Kernproblem ist: Wir haben nicht getroffen", sagte Oenning. Dafür traf Schalke zur Führung: Kevin Kuranyi hatte eine Kombination über Bordon, Christoph Moritz und Jefferson Farfan abgeschlossen (32.)

Kurz nach dem Wiederanpfiff priesen die etwa 7.000 Schalker Fans den flüchtigen Nationalspieler ein zweites Mal - er hatte eine Hereingabe von Levan Kenia zum 0:2 verwertet (50.). In den Schlussminuten wurde es dann wieder hektisch auf der Schalker Bank, als der Club in der 88. Minute doch noch den Anschlusstreffer durch Marek Mintal schoss. Schalke-Torwart Manuel Neuer hatte einen Charisteas-Schuss per Fußabwehr in höchster Not geklärt, war aber gegen den Nachschuss von Mintal chancenlos.

Trotz der Niederlage war Oenning nach dem Spiel zufrieden. Die Begegnung wollte er als ersten Test für die Ligatauglichkeit seiner Mannen verstanden wissen: "Den haben wir bestanden." Den offensiv- und lauffreudigen Stil der Nürnberger will er deshalb unbeirrt fortsetzen: "Ich hoffe, dass wir diese Art von Fußball möglichst lange weiter spielen können." Dass zur Erfüllung dieses Ziels Punkte nötig sind, weiß er: "Deshalb wollen wir nächste Woche in Frankfurt drei Punkte holen." CHRISTOPH RUF

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