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  • 19.02.2011

Die Körbe hängen zu hoch

Jeder kennt Dirk Nowitzki. Aber wer sind Anne Breitreiner oder Linda Fröhlich? Die beiden wohl besten deutschen Basketballerinnen sagen nur Insidern etwas - was auch daran liegt, dass sportliche Erfolge bisher fehlen. Bei einer WM durfte man erst einmal mitmachen, 1998, als automatisch qualifizierter Gastgeber. Und bei Europameisterschaften waren die Basketballerinnen auch nur sporadisch vertreten - zuletzt 2007. Abgesehen von einer Bronzemedaille 1997 scheitert man dort meist in der Vorrunde.

Frauenbasketball ist wenig populär in Deutschland. Und im Vergleich zu den Männern fast eine andere Sportart, weniger athletisch, dafür sehr taktisch geprägt. Man spielt in kleinen Hallen, und die erste Liga (DBBL) besteht lediglich aus zwölf Teams. Großes Geld gibt es dort nicht zu verdienen. Wer aber gut genug ist, wechselt in die lukrativen Ligen Südeuropas - wie derzeit vier Nationalspielerinnen. Die DBBL genießt einfach zu wenig Medieninteresse. Zu Unrecht, findet Gaby Brei, sportliche Leiterin des TSV Wasserburg, einer traditionellen Frauenbasketball-Hochburg. Um mehr Aufmerksamkeit zu bekommen, würde sie ihre Spielerinnen gerne in hautenge Bodys packen. Zudem hängen für sie die Körbe wortwörtlich zu hoch: "Wären sie niedriger, gäbe es auch mal Dunkings."

Doch das primäre Ziel muss es sein, endlich den Nachwuchs besser zu fördern. "Einige Vereine holen immer noch lieber fertige Spielerinnen aus dem Ausland", sagt DBBL-Geschäftsführer Achim Barbknecht. Vor zwei Jahren wurde deshalb die U17-Bundesliga WNBL gegründet. Da sieht Bundestrainer Bastian Wernthaler, seit Oktober im Amt, schon "ein ganz gutes Niveau". Zum anderen wurde in der DBBL eine Quotenregelung eingeführt, bei der Handballbundestrainer Heiner Brand vermutlich vor Freude an die Decke springen würde: nun müssen immer zwei deutsche Spielerinnen auf dem Parkett stehen. "Das ist wohl die wichtigste Maßnahme überhaupt", so Wernthaler. Im Juni kämpft er mit seinem Team um die EM-Qualifikation. Die Chancen sind gering - nur eines von zehn Teams ergattert den letzten freien Startplatz.

So will Wernthaler vorrangig eine neue Mannschaft aufbauen und einen neuen Spielstil finden, um sich mittelfristig regelmäßig für Europameisterschaften zu qualifizieren. "Das ist der erste Schritt", sagt er. "Eine Weltmeisterschaft oder Olympia sind im Moment sehr weit weg."

NICOLAS SOWA

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