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  • 10.08.2007

IN PAKISTAN STEHT MUSHARRAF JETZT MIT DEM RÜCKEN ZUR WAND

Ende eines Jongleurs

So oft hat Musharraf schon mit dem Rücken zur Wand gestanden. Gestern machte das Gerücht die Runde, der pakistanische Präsident wolle den Notstand verhängen, doch am Ende schreckte er noch einmal vor diesem Schritt zurück. Das ändert aber nichts an den fundamentalen Problemen des Landes, für die der General zum großen Teil mitverantwortlich ist. In den vergangenen drei Jahren hat er sich vor allem deshalb an der Macht halten können, weil er wahlweise die Opposition gegen die Islamisten, die Islamisten gegen die USA und die USA gegen die Opposition hat ausspielen können. Doch dieses Spiel funktioniert nicht mehr.

In Pakistan heißt es, Musharraf hätte aus drei Gründen die Verhängung des Notstands erwogen: erstens, weil der Oberste Richter Iftikhar Chaudhry und die bürgerliche Opposition verhindern wollen, dass Musharraf sich bei den bevorstehenden Wahlen im Herbst erneut zum Präsidenten wählen lässt. Seit der Wiedereinsetzung Chaudhrys in sein Amt hat die Bürgerbewegung in der Tat an Momentum gewonnen. Nicht nur die Richter, sondern auch Oppositionsführerin Benazir Bhutto werden einen hohen Preis von Musharraf verlangen, wenn es noch zu einer Einigung kommen soll.

Zweitens wegen der immer lauter werdenden Drohungen aus Washington, die USA könnten Truppen nach Pakistan schicken, weil Musharraf nicht genug unternehme, um Taliban und al-Qaida in den westlichen Stammesgebieten zu bekämpfen. Und drittens, weil der General wegen seiner US-freundlichen Politik auch in seinen eigenen Reihen immer stärker unter Druck gerät.

Die Bälle, mit denen Musharraf bisher so erfolgreich jongliert hat, sie lassen sich nicht mehr in der Luft halten. Die USA sehen in Musharraf immer weniger einen nützlichen Verbündeten. Die Islamisten rufen nach dem Sturm auf die Rote Moschee in Islamabad zum Dschihad gegen das Regime auf. Und die bürgerliche Opposition sieht endlich eine Chance zur Rückkehr zur Demokratie.

Musharraf sollte einsehen, dass nur sein Rückzug die Krise in Pakistan lösen kann. Gezählt sind seine Tage so oder so. BRITTA PETERSEN

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